Die SPÖ und die (Streit-)Kultur

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Wieder einmal ist es der SPÖ gelungen, die negativen Schlagzeilen zu beherrschen, obwohl sie definitiv nicht die einzige Partei in der Krise ist. Bei all den Streitigkeiten ist aber ein Wort nicht gefallen: Kultur. Von der Kultur des Umganges miteinander wollen wir gar nicht reden. Daher beantrage ich, wenn sich die Parteigranden an diesem Sonntag treffen, ein verpflichtendes Hearing potenzieller Kandidaten auf den Parteivorsitz zum Thema Kunst und Kultur. Man wird ja noch hoffen dürfen.

Mit freundlichen Grüßen, F. V.

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Sehr geehrter F. V.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir gerne bestätigen (Geschäftszahl 29/2026), den abzulehnen uns jedoch pragmatische Pflicht ist. Ja, hoffen darf man immer, geschätzter Herr V., aber Ihre Hoffnung grenzt diesfalls an Naivität. Wann hat denn die Kultur zuletzt bei der SPÖ eine entscheidende Rolle gespielt? Das war unseres Erachtens in der Zeit von Josef Ostermayer, und das ist genau zehn Jahre (und zehn Prozent mehr bei den Wählerstimmen) her.

Da Sie das Treffen der Parteigranden ansprechen, können wir nicht umhin, an ein Chanson von Margot Werner zu denken, in dem es heißt: „Er war ein Grande, doch er war sehr klein.“ Warum uns das wohl in den Sinn kommt, wenn wir an die ehemalige Großpartei denken . . .  Jedenfalls hätte ein aktuelles Hearing zu diesem Thema möglicherweise hohen Unterhaltungswert. Aber das wäre bei anderen Parteien auch nicht wesentlich anders.

Der amtierende SPÖ-Chef, der mit nur einer (anfangs verzählten) Stimme anstelle des beliebtesten und zuletzt erfolgreichsten roten Politikers ins Amt kam, hat als Kulturminister wohl eine noch unscheinbarere Rolle gespielt als in seinen Ressorts Wohnen oder Sport. Erinnerlich sind in erster Linie Kürzungen für die Filmbranche, Buhrufe gegen ihn bei der Diagonale und eine 30-prozentige Subventionsreduktion bei den Bregenzer Festspielen.

  Von Adelheid Popp bis Clara Zetkin

Bei der Intendantenabsetzung und Neuaufstellung der Salzburger Festspiele, immerhin das wichtigste Kulturfestival Österreichs, überließ er der lokalen Landeshauptfrau völlig die Regie. Als das größte Museum des Landes, das Kunsthistorische, von einer Imagekrise bedroht war, kam aus dem Kulturministerium genauso wenig. Und auch bei anderen zentralen Anlässen hat man auf relevante Babler’sche Wortmeldungen nicht wirklich gewartet. Grundsätzlich heißt es ja, je weniger man von einem Kulturminister höre, desto besser sei er. Diesmal ist das wohl nicht der Fall.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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