Facebook-Buch: Ex-Direktorin bricht ihr Schweigen

Kultur

Ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, Sie gewinnen einen Buchpreis und dürfen bei der Präsentation weder eine Dankesrede halten noch das Buchcover unverpixelt zeigen. Das ist der neuseeländischen Autorin Sarah Wynn-Williams bei den diesjährigen British Book Awards passiert.

Wynn-Williams war bis 2017 Direktorin für globale öffentliche Politik bei Facebook und ihr neues Buch „Mein Traumjob bei Facebook“ ist eine derart bitterböse Abrechnung mit dem Unternehmen, dass Mark Zuckerberg mit Schweigeverboten versuchte, die Verbreitung zu verhindern. (Was ironischerweise dazu führte, dass noch mehr Menschen davon erfuhren.)

Auf 496 ereignisreichen Seiten nimmt Wynn-Williams die Leser mit auf internationale Treffen, bei denen sich Zuckerberg geweigert haben soll, sich mit Regierungschefs wie dem neuseeländischen Premierminister zu unterhalten. Sie erzählt von einem Trip nach Indonesien, für den sie einen „Aufstand“ organisieren musste, weil Zuckerberg „sanft umringt“ sein wollte. Sie offenbart, dass Trumps Wahlkampfleiter vor der US-Präsidentschaftswahl 2016 von außen unsichtbare „dunkle Posts“ schalten durfte, die demokratischen Wählern eingespielt wurden – in der Hoffnung, sie vom Wählen abzuhalten. Und macht öffentlich, dass Zuckerberg so erpicht darauf war, den chinesischen Markt zu erschließen, dass der Kommunistischen Partei Chinas Zugriff auf die Daten ihrer Bewohner in Aussicht gestellt wurde, wenn sie das Land für Facebook öffnen würden.

Herbe Ernüchterung

Der Text birst vor Frustration, dabei war Wynn-Williams Facebook im Vorfeld monatelang um einen Posten nachgelaufen. Doch je tiefer sie in den Machtkomplex eintauchte, desto größer war die Ernüchterung.

Das, was nach außen kommuniziert wurde, deckte sich immer weniger mit ihren Erfahrungen. Während in den 2010er-Jahren COO Sheryl Sandberg mit ihrem Buch „Lean In“ Frauen weltweit dazu ermutigte, Führungspositionen anzustreben, wurde Wynn-Williams dazu gedrängt, noch im Kreißsaal Arbeitsmails zu schicken. Kollegen, die sich nach außen rühmten, die Welt zu vernetzen und dabei zu verbessern, erzählten in der Kaffeepause, dass sie vor Reichtum „ökonomisch unsensibel“ geworden waren.

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In einer Zeit, in der immer mehr besorgniserregende Studien über den Effekt von Social Media aufkommen und Meta von 47 US-Staaten geklagt wird, erlaubt Wynn-Williams einen ungeschönten Einblick in ein Unternehmen, das unseren Alltag wie kaum ein anderes steuert.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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