
In der ersten regulären Folge von „Raumschiff Enterprise“ vergehen keine zwei Minuten, da hat Captain Kirk seinem Schiffsarzt McCoy schon erklärt, wie man eine Frau rumkriegt. Und zwar mit einem fix gepflückten Büschel Fremdplanetengras und einem spitzbübischen Lächeln. Wobei man sagen kann, dass es der Kommandant des Weltallgefährts meist auch ohne Blumen-Bestechung geschafft hat, mit einer Planetenschönheit nach der anderen zu schmusen.
Vor genau 60 Jahren, am 8. September 1966, wurde diese erste Folge in den USA ausgestrahlt. „Raumschiff Enterprise“ spielt in einer der älteren Zukunften, die die Popkultur hervorgebracht hat. Aber es ist eine der langlebigsten: Jahrzehnte später sprießen immer noch epigonische Produktionen nach, die im selben Star-Trek-Universum verortet sind.
Trotz Widerstand
Auf Englisch heißt die Serie „Raumschiff Enterprise“ nämlich „Star Trek“, und zwar, weil ihr Schöpfer Gene Roddenberry sie sich vorgestellt hat wie einen „Planwagen-Zug zu den Sternen“. Die Westernanmutung kommt nicht von ungefähr, das Genre war Roddenberrys frühere Heimat. Er hatte für „Star Trek“ ein paar Ideen, die zu fortschrittlich für das TV der 1960er war – eine Frau als Erste Offizierin – und er hatte ein paar Ideen, die trotz Widerstand des Senders Geschichte schrieben. Etwa die spitzen Ohren von Mister Spock: Die erschienen Verantwortlichen nämlich zu „satanisch“. Heute ist Spock wegen der scharfen Lauscher neben Alf und E.T. der wohl berühmteste Außerirdische der Geschichte. Und sie gaben Darsteller Leonard Nimoy Gelegenheit, Anekdoten zu erzählen: „Auf einer Hollywoodparty. Ein Mann kommt zu mir und raunt mir ins Ohr: ,Ich hab sie erkannt. Sie haben sich die Ohren richten lassen’. Dieser Mann war John Wayne.“
Fan-Aktion rettete Serie
Spock war von Anfang an dabei, schon in der ersten Pilotfolge, die abgelehnt wurde. Erst als dem logischen, immer Recht habenden „grünblütigen Kobold“ (Zitat Dr. McCoy) der draufgängerisch-libidinöse Captain Kirk (William Shatner) gegenübergestellt wurde, funktionierte die Dynamik auf der Brücke – und die Serie durfte produziert werden. Allerdings war sie schon rasch wieder in Gefahr, abgesetzt zu werden. Nach der zweiten Staffel rettete eine Fan-Aktion die Serie: 115.893 Briefe, die eine Fortsetzung forderten, konnte NBC nicht ignorieren. Es war der Beginn eines Fankults, der noch heute seinesgleichen sucht. Nach der dritten Staffel war 1969 aber wirklich Schluss. Durch die weltweite Verbreitung der Episoden wurde aber der Grundstein für eine galaktische Karriere gelegt.
Roddenberry legte schon damals Wert auf etwas, das man heute gestelzt Diversität nennt. Ein Asiate (George Takei als Sulu) und später sogar – im kältesten Krieg! – ein Russe (Walter Koenig als Chekov) durften das Schiff steuern, eine schwarze Frau war Kommunikationsoffizierin (Uhura). Als deren Darstellerin Nichelle Nichols aussteigen wollte, überzeugte sie Martin Luther King persönlich, zu bleiben, weil ihre Präsenz auf der Brücke der Enterprise eine massive Errungenschaft für Schwarze war. Zur Einordnung: Der Civil Rights Act, der Rassendiskriminierung verbot, wurde erst zwei Jahre vor dem Start der Serie verabschiedet. Nichols war schließlich ein Part des tabubrechenden ersten Kusses zwischen einem Weißen (Kirk) und einer Schwarzen im US-TV.
Mit Warpgeschwindigkeit
Das Team um den rauflustigen Raumschiffkapitän und Kosmos-Casanova James T. Kirk vervollständigte noch der Ingenieur Scotty (James Doohan), immer im Leidensdruck, dass sein schönes …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



