Eizellen vorsorglich einfrieren: Was das für Profisportlerinnen bedeutet

Sport

Viele Profisportlerinnen erleben ihre erfolgreichsten Jahre genau in der Lebensphase, in der auch die Familienplanung eine zentrale Rolle spielt. Lange mussten Spitzenathletinnen ihren Kinderwunsch auf die Zeit nach dem Karriereende verschieben – oder sich gänzlich davon verabschieden.

Mit Social Egg Freezing, dem vorsorglichen Einfrieren von Eizellen, kann eine Schwangerschaft heute ohne Fruchtbarkeitseinbußen auf einen späteren Lebensabschnitt verschoben werden.

Der jüngste Vorstoß des spanischen Fußballverbands RFEF, Spielerinnen aktiv beim Social Egg Freezing zu unterstützen, zeigt, wie präsent das Thema inzwischen im Spitzensport ist (der KURIER berichtete). In der Vergangenheit haben der US-Frauenfußballklub Racing Louisville sowie der FC Chelsea bereits ähnliche Schritte unternommen. 

Profisportlerinnen: „Interessante Zielgruppe für Social Egg Freezing“

Kinderwunschmediziner Michael Feichtinger überraschen diese Entwicklungen nicht. Spitzensportlerinnen seien eine interessante Zielgruppe für Social Egg Freezing: „Sie sind junge Frauen, die intensiv eine sportliche Karriere verfolgen und dabei teilweise das aus medizinischer Sicht ideale Alter für die Familienplanung verpassen.“

Die körperlichen Höchstleistungen von Profiathletinnen können sich auch auf die Fruchtbarkeit auswirken. „Körperliche Belastung und Überlastung können dazu führen, dass der Körper fortpflanzungsrelevante Prozesse – also den Zyklus – zurückfährt.“ Auch vor diesem Hintergrund könne das vorsorgliche Konservieren von Eizellen sinnvoll sein.

Beim Social Egg Freezing werden hormonelle Präparate eingesetzt, die die Eierstöcke stimulieren, damit mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen und anschließend entnommen werden können. 

Auswirkung wissenschaftlich kaum erforscht

Ob und wie sich eine gezielte hormonelle Stimulation auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt, ist laut Feichtinger wissenschaftlich bislang kaum erforscht. Besser untersucht sei der Einfluss hormoneller Schwankungen im weiblichen Zyklus auf die sportliche Performance. „Wir wissen, dass männliche Hormone den Muskelaufbau fördern und deshalb als Dopingmittel gelten. Auch Östrogen und Progesteron können die Leistungsfähigkeit leicht steigern. Viele Sportlerinnen erleben sich typischerweise in der Mitte ihres Zyklus als besonders leistungsfähig.“ 

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Gleichzeitig bringen steigende Hormonspiegel auch Nachteile mit sich, etwa Wassereinlagerungen und ein erhöhtes Risiko für Überdehnungen der Bänder.

Kein Risiko in puncto Doping

Östrogen und Progesteron kommen auch bei Kinderwunschbehandlungen zum Einsatz. „Sie stehen aber auf keiner Dopingliste, daher gehen Sportlerinnen kein Risiko ein, wenn sie sich einer solchen Behandlung unterziehen.“

Jene Hormone, die im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung oder beim Social Egg Freezing vermehrt ausgeschüttet werden, sind dieselben, die auch während einer Schwangerschaft verstärkt produziert werden. „In den vergangenen Jahren haben immer wieder prominente Sportlerinnen trotz Schwangerschaft erfolgreich an Wettkämpfen teilgenommen – ein indirekter Hinweis darauf, dass sich die Hormonspiegel nicht negativ auf die Leistung auswirken“, sagt Feichtinger. 

Serena Williams gewann 2017 etwa die Australian Open, während sie bereits schwanger war. Kerri Walsh Jennings gewann 2012 in der elften Schwangerschaftswoche olympisches Gold im Beachvolleyball. Darüber hinaus setzen viele Profisportlerinnen ihr Training während der Schwangerschaft in individuell angepasster Form fort.

Gleichzeitig räumt der Reproduktionsmediziner ein, dass Hormonbehandlungen häufig mit unangenehmen Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen verbunden sind. „Der theoretischen Leistungssteigerung steht also eine erhöhte körperliche Gesamtbelastung gegenüber“, so Feichtinger.

Gut geplant in Wettkampfpausen

Es sei davon auszugehen, dass eine entsprechende medizinische Behandlung, deren Kosten zwischen 4.000 und 6.000 Euro liegen, bei Spitzensportlerinnen gut geplant werde: „Rund um die Champions League wäre sie wohl nicht besonders ratsam, in einer Wettkampfpause spricht jedoch nichts dagegen.“ Nach der Eizellentnahme werde den Frauen in der …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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