672 Tage Gottesdienst, um Familie vor Abschiebung zu schützen

Politik

Auf den ersten Blick lässt sich nicht erkennen, dass hinter den Wänden einer Kirche im niederländischen Ort Kampen das Gesetz umgangen wird – um eine Familie vor der Abschiebung zu schützen. Es geht um einen Gottesdienst, der seit 672 Tagen andauert, und eine ganze Gemeinde, die sich hinter die usbekische Familie Babayants stellt.

2014 in die Niederlande gereist

Seit fast zwei Jahren hat die sechsköpfige Familie Babayants die evangelische Kirche mit bräunlich-beiger Backstein- und Glasfassade in Kampen nicht verlassen. Würden sie das tun, würde die Polizei sie abführen und zurück nach Usbekistan abschieben. Die Eltern Aleksandar und Karina und die zwei älteren Kinder Aram und Ariana sind am 14. März 2014 in die Niederlande eingereist. Wenige Tage später haben sie Asyl beantragt, wie aus Gerichtsakten hervor geht, die der Zeit vorliegen. Vater Aleksandar soll bei den Behörden angegeben haben, dass die autokratische usbekische Regierung ihn verfolge.

Als der Asylantrag 2024 abgelehnt wurde und der Familie die Abschiebung zurück nach Usbekistan drohte, öffnete die Kirche in Kampen am 21. November ihre Türen für die Familie Babayants. „Damit wollten wir als Kirche Zeit schaffen, bis die Politik eine Lösung findet“, sagt Pfarrer Kaspar Jager in Medienberichten.

Ununterbrochen gesungen und gebetet

Solange in der Kirche mit dem Namen „Open Hof“ gesungen, gepredigt und gebetet wird, dürfen Polizei und andere Behörden keinen Schritt hinter die heiligen Mauern setzen. „Wenn wir damit aufhören, würden sie reinkommen und die Familie mitnehmen“, sagt der Pfarrer im Interview mit Stern TV. Der Dauergottesdienst läuft somit schon seit über 16.000 Stunden. Möglich wird das nur durch Unterstützung der Bewohner der niederländischen Gemeinde und den vielen Menschen und Pfarrern, die auch von weit weg anreisen um hier Hilfe zu leisten.

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Mehr als 2.500 Menschen haben seit dem die Kerze weitergereicht – wenn ein Pastor die Schicht beendet, wird die Verantwortung direkt an die nächsten Freiwilligen übergeben. Damit ist gewährleistet, dass der Gottesdienst ununterbrochen läuft. Für die Familie wurde ein Gemeinschaftsraum zu einem Schlafzimmer und einer Küche umgebaut. Für die Töchter Ariana und Amelia gibt es sogar Schulunterricht, den 20 Lehrpersonen freiwillig organisieren.

Wie soll es weiter gehen?

Nachdem der Asylantrag der Familie abgelehnt wurde, möchte die Gemeinde ein Aufenthaltsrecht für die Familie erzwingen, bis jetzt aber ohne Erfolg. Die Familie behauptet, die Rückkehr nach Usbekistan würde große Risiken für sie und ihre Kinder mit sich bringen. Der Non-Stop-Gottesdienst wird also weiter gehen, wenn nötig, auch noch viele Jahre.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kirchenasyl in dieser Form für Aufsehen sorgt. Bereits 2019 organisierte eine Gemeinde in Den Haag einen dreimonatigen Dauergottesdienst für eine armenische Familie – damals mit Erfolg: Die Familie erhielt letztlich ein Bleiberecht in den Niederlanden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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