Gipfeltreffen von Trump und Xi: Wer zieht bei der KI die Notbremse?

Politik

Im Frühling war die Welt noch eine andere. Als Donald Trump im Mai in Peking landete, ging es bei seinen Gesprächen mit Xi Jinping um den Handelskrieg der beiden Großmächte, sprich um die heftigen Zölle, die der US-Präsident seinem Rivalen verordnet hatte. Die Tech-Größen Elon Musk, Tim Cook (Apple) und Jensen Huang (Nvidia) waren damals zwar mit in der Präsidentenmaschine, verhandelten aber jeder für sich über Exportbarrieren. Die Frage der KI? Reine Nebensache.

Jetzt, wenn Xi am Donnerstag zum Gegenbesuch nach Washington kommt, ist die Lage völlig anders. KI-Agenten der großen US-Firmen haben sich seither nicht nur einmal in Systeme anderer Unternehmen geschleust, dazu operieren Regime weltweit mit KI – Russland hat eine Drohne gebaut, die ihre Zielobjekte eigenständig sucht und tötet; die Houthis haben mit Anthropic-Claude-Software zum Bau ballistischer Raketen geschrieben.

All das hat viele einflussreiche Köpfe zu einer eindringlichen Warnung veranlasst: Nicht nur ideologische Erzfeinde wie Steve Bannon und Bernie Sanders haben sich gemeinsam für mehr Kontrolle eingesetzt, auch ein Teil jener Tech–CEOs, die in Peking mit am Tisch saßen, warnten vor der Übermacht der KI. Werde sie nicht in Ketten gelegt, führe uns das rasant ins Verderben.

Trumps „Superintelligenz“

Genau um diese Beschränkungen wird es auch gehen, wenn Trump und Xi einander in den USA sehen. Seit elf Jahren hat der chinesische Staatschef Washington nicht mehr besucht, und geht es nach ihm, sollen diese Treffen Routine werden: Peking will eine Vertrauensbasis zum US-Präsidenten herstellen – unter vier Augen lassen sich Konflikte bekanntlich leichter lösen als über 11.000 Kilometer Entfernung.

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In Sachen Handelskrieg scheint das auch machbar. Der Zoll–Burgfrieden, geschlossen vor etwa einem Jahr, läuft zwar am 10. November aus, doch Gespräche werden geführt. Beim Thema KI wird das schwieriger: Trump, der die KI neuerdings „Superintelligenz“ nennt, hat sich öffentlich bisher von Regulierungen distanziert. Denkbar ist, dass dahinter Taktik steckt: Die USA liegen im KI-Wettrüsten vor der chinesischen Konkurrenz – hätte Trump schon vor dem Treffen auf Beschränkungen bestanden, hätte das seine Position gegenüber Xi geschwächt.

Dasselbe gilt auch für Chinas Staatschef. Der will seinen KI–Firmen keine Fesseln anlegen, weil er nicht noch weiter ins Hintertreffen geraten will. Schließlich verspricht die KI politische Macht: Hacken, spionieren und hybride Kriegsführung per Klick würden nicht nur einfacher, sondern vor allem billiger.

Experten erinnert das nicht zufällig an das Wettrüsten im Kalten Krieg. Auch da brauchte es die Kubakrise und die konkrete Bedrohung eines Atombombenabwurfs, um die USA und die UdSSR an einen Tisch zu bekommen. Nur ein Jahr später unterschrieben beide, gemeinsam mit den Briten, den ersten Atomwaffensperrvertrag, jenen für Versuche im All und unter Wasser.

Bis auch Atomtests im Untergrund begrenzt wurden, dauerte es aber noch drei Dekaden – aus einem simplen Grund: Tests im Weltraum und im Meer waren schon in den 1960ern gegenseitig aus der Ferne zu registrieren, jene unter der Erde konnten die Supermächte erst 30 Jahre später beim anderen registrieren.

Kuba-Krisen-Moment

Das Dilemma der gegenseitigen Kontrolle gibt es auch in Sachen KI. Viele Forscher befürchten daher, dass es einen Kuba–Krisen–Moment braucht, um überhaupt Gespräche in Gang zu setzen. Und selbst dann sei nicht klar, ob …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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