Gerhard Liebmann:„Mörder zu spielen fällt mir zunehmend schwerer“

Kultur

Es war eigentlich von Anfang an klar, dass Gerhard Liebmann Schauspieler werden musste. „Mir hat das schon in der Volksschule gefallen, bei Krippenspielen oder Ähnlichem mitzumachen. Ich hab mir schon damals als dritter Hirte von links gedacht, dass ich das besser kann als die anderen“, erzählt er und lacht.

Aber auch die Vorliebe für das „Versinken in Filmen“ hat schon früh begonnen. „Ich komme ja von einem Bauernhof, da habe ich viel helfen müssen. Wir haben da einen Schwarz-Weiß-Fernseher gehabt. Am Abend hab ich eine oder zwei Stunden fernsehen dürfen. ,MacGyver‘ oder ,Bonanza‘, das war immer ein Wahnsinn für mich.“ In Erinnerung geblieben ist ihm vor allem die Faszination für den Western: „Aber nicht mit diesem Ur-Amerikaner, dem John Wayne, der war nie meins, ich mochte die Italo-Western lieber.“ In einer Art Western hat Liebmann schließlich selbst gespielt: „Das finstere Tal“.

Immer anders

Das war bereits vor zwölf Jahren, seither wurde Liebmann zu einem der meistbeschäftigten Schauspieler des Landes. Von „Landkrimis“ über „Spuren des Bösen“ und „Vienna Blood“, „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu „Totenfrau“, „Die Fälle der Gerti B.“, „Kommissar Rex“. Er hat quasi praktisch überall mitgewirkt. Tatsächlich ist es aber gar nicht so einfach, das Schauspielergesicht Liebmann den jeweiligen Rollen zuzuordnen. Denn der 56-Jährige hat eine besondere Begabung, vielleicht die totale schauspielerische Gabe: Er sieht immer irgendwie anders aus. Und „das ist kein Zufall“, sagt er, „das ist eine Bewusstseinsgeschichte. Alle Menschen sind unterschiedlich, wenn man das ernst nimmt, und so diese Rolle erarbeitet, dann ergibt sich von allein ein unterschiedlicher Körper.“

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Auf Tschechisch drehen

Gefeiert wurde Liebmann für seine Darstellung des im Geheimen homosexuellen Militärausbildners „Eismayer“, zuletzt brillierte er als Serienkiller im Servus- TV/ARD-Zweiteiler „Sternstunde der Mörder“. Fast hätte er das Angebot abgelehnt. Nicht etwa, weil er auf Tschechisch drehen musste und kein Wort der Sprache wirklich spricht. Sondern: „Ich dachte erst: In den letzten Kriegstagen in Prag, wo es eh schon furchtbar ist, muss man da noch einen Serienkiller hineinschreiben? Diese Eskalation der Grausamkeit, da wollte ich nicht mitmachen.“ Erst ein Gespräch mit dem Regisseur Christopher Schier und die eingehende Lektüre des Romans von Pavel Kohout, der die Vorlage war, änderten seine Meinung, weil sich ein „Gedankengebäude dahinter erhoben hat“.

Sieht man sich Liebmanns Filmografie an, ist eine gewisse Schlagseite bemerkbar: „Ich weiß auch nicht, wieso man mich immer als Mörder engagiert“, sagt er. „Ich habe schon viele Menschen getötet in Film und Fernsehen, aber es fällt mir zunehmend schwerer, je älter ich werde. Früher war es mehr so ein Abenteuer. Ich merke jetzt, es macht etwas mit mir.“

Helligkeit in den Alltag

Dass Liebmann in wenigen Komödien spielt, hat aber auch einen Grund: „Das leichtere Fach ist meistens nicht lustig, sondern einfach schlecht geschrieben, und dann lehne ich Angebote ab. Ich würde liebend gern mehr Komödien machen. Es wäre wünschenswert, dass mehr Helligkeit in unseren Alltag gebracht wird. Ich höre das oft von meinem Umfeld – Menschen, die nicht in der Filmbranche arbeiten. Die sagen zu mir: ,Warum schalten wir den Fernseher ein und jemand wird umgebracht?‘“.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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