UN-Generalsekretär: Wird Rebeca Grynspan die erste Chefin?

Politik

Was haben eine Papst-Wahl und eine Kür eines nächsten UN-Generalsekretärs gemeinsam? Gewählt wird so lange, bis ein Sieger oder eine Siegerin feststeht. Damit ist aber, abgesehen von der Tatsache, dass auch bei der Wahl zum nächsten UN-Chef so manches höchst intransparent abläuft, mit den Gemeinsamkeiten auch schon Schluss. Denn das Prozedere auf der Suche nach einem Nachfolger für UN-Generalsekretär António Guterres läuft schon seit zwei Monaten, vier Probeabstimmungen innerhalb des 15-köpfigen Sicherheitsrates sind bereits über die Bühne gegangen. Die bislang letzte fand am Dienstagabend (Ortszeit New York) statt. Dabei verfestigte sich der Eindruck, dass die 71-jährige ehemalige Spitzenpolitikerin aus Costa Rica, Rebeca Grynspan, als erste Frau an die Spitze der Vereinten Nationen rücken könnte.

Wohlgemerkt: könnte. Denn bis zur endgültigen Wahl eines Siegers oder einer Siegerin unter den drei Kandidaten und fünf Kandidatinnen ist der Weg noch lang und mitunter trickreich. Was wiederum am komplizierten Prozedere der Kür liegt: Bei der jüngsten Probeabstimmung erzielt Grynspan zehn Zustimmungen – eine mehr als nötig, damit eine nächste Runde von Abstimmungen eingeleitet werden kann. Drei Stimmen fielen gegen sie aus, zudem gab es zwei Enthaltungen. Die Abstimmungen erfolgten anonym, es blieb also offen, welcher Staat für oder gegen die jeweiligen Kandidaten stimmte.

Würde Rebeca Grynspan endgültig siegen, wäre sie die erste Frau an der Spitze der UN – nach zehn Männern (einer davon war der spätere österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim). Die Wirtschaftswissenschafterin Grynspan ist Tochter jüdischer Einwanderer aus Polen, die auf der Flucht vor den Nazis nach Costa Rica ausgewandert waren. Nach erfolgreicher akademischer Karriere ging die Ökonomin in die Politik, hatte mehrere Ministerposten und jenen der Vizepräsidentin des Landes inne.

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Seit nunmehr fünf Jahren leitet sie die UNO-Handels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD, zuvor war Grynspan u. a. in führender Position beim UN-Entwicklungsprogramm UNDP. Als ein Erfolg, der maßgeblich auf ihren persönlichen Einsatz zurückgeht, gilt der von der UNCTAD vermittelte Deal, der nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine ermöglichte, dass wieder Getreide über das Schwarze Meer geliefert werden konnte.

Bei der nächsten Abstimmung wird es bunt

Bei der nächsten Probeabstimmung wird es bunt: Dann werden die fünf Veto-Mächte im Sicherheitsrat – USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien – mit farbigen Zetteln abstimmen, und dann wird zu sehen sein, ob eine von ihnen ein Veto einlegt.

Dann müsste wieder gewählt werden – so lange, bis ein Kandidat oder eine Kandidatin mindestens neun Zustimmungen und kein Veto einfährt. Der Haken dabei: Bis zur endgültigen Abstimmung kann immer noch ein neuer Name aus dem Kandidatenhut gezaubert werden. Gerüchteweise soll sogar der Name Gianni Infantino gefallen sein – der FIFA-Chef gilt ja als enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Bei der abschießenden Wahl stimmen dann alle UN-Mitglieder ab, doch das gilt als Formalie. Gekürt wird, wer zuvor vom Sicherheitsrat als neue UN-Spitze für die nächsten fünf Jahre gewählt wurde.

China hat jedenfalls schon einmal klargestellt, was es sich von der nächsten Führungsspitze der UNO erwartet: Man unterstütze „eine Persönlichkeit, die über herausragende Fähigkeiten verfügt, gerecht und integer ist und ihre Pflichten verantwortungsvoll wahrnimmt“ – Voraussetzungen, die sicher auf die gesamte Kandidatenriege zutreffen.

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Source:: Kurier.at – Politik

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