Polen: Die Covid-19-Katastrophe ist da

Politik

Der Donnerstag markiert mit 954 gemeldeten CoV-Todesfällen den traurigen Höchstwert – bisher. Denn die Zahl der schwerkranken Covid-Patienten steigt weiter.

Das Gesundheitsministerium in Warschau musste am Donnerstag einen traurigen Rekord bekannt geben: Binnen eines Tages meldeten die polnischen Behörden 954 Covid-Todesopfer. Das ist nicht nur der höchste Wert heuer, sondern überhaupt seit Beginn der Pandemie in dem osteuropäischen Land.

Ein Sprecher des Ministeriums relativierte zwar die Zahl etwas, weil 350 davon schon am Osterwochenende gestorben und „nachgemeldet“ worden seien. Aber man dürfe sich nichts vormachen: „Wir müssen sicherlich mit einem steigenden Trend bei den Todesfällen rechnen.“ Für diese Prognose reiche ein Blick in die überfüllten Spitäler und auf die wachsende Zahl der Covid-Patienten mit schweren Verläufen. Das Gesundheitssystem könne bald an seine Grenzen stoßen, warnte der Sprecher.

In einigen Teilen des Landes, allen voran im schwer getroffen Schlesien, ist diese Grenze längst überschritten. Dort gibt es überhaupt keine Kapazitäten auf den Intensivstationen mehr. Wer immer zumindest halbwegs verlegungsfähig ist, wird in andere Teile des Landes transportiert.

REUTERS/KACPER PEMPEL

Aber auch dort wird die Situation immer verzweifelter. Medien berichten von erschöpftem Personal und Krankenwägen, die vor Spitälern stundenlang warten, um überhaupt einen Platz für ihre Patienten zu bekommen. Oder sie fahren gleich Hunderte Kilometer weiter in andere Krankenhäuser. Immer mehr Notspitäler wurden und werden im Land hochgezogen, um in Containern die Menschen versorgen zu können.

Jeder Zehnte beatmet

Insgesamt wurden im 38-Millionen-Land am Donnerstag 34.864 Covid-Patienten in polnischen Krankenhäusern behandelt. Fast jeder Zehnte (exakt: 3.362) muss künstlich beatmet. Schon jetzt mangelt es akut an Beatmungsgeräten, dabei sind erneut nur an diesem einen Tag weitere 27.887 Neuinfektionen in Polen registriert worden. Auch in Polen ist der überwiegende Teil aller Infektionen auf die britische Variante zurückzuführen, mit immer jüngeren Patienten.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz ist mittlerweile mit 396 horrend hoch. Damit rangiert Polen weltweit auf dem 8. Platz der Negativtabelle.

Zum Vergleich: Österreichs Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner lag am Donnerstag bei 217.

Ungarns Gesundheitsminister der nationalkonservativen Regierung, Adam Niedzielski, hat wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage in unserem Nachbarland. Den voraussichtlichen Höhepunkt der Tragödie erwartet Niedzielski für voraussichtlich Mitte April.

„Think pink“ in Ungarn

Die Regierung in Ungarn, das mit einer Inzidenz von 427 aktuell noch schlechter dasteht, gibt sich hingegen zuversichtlich. Ungarn habe eindeutig die Spitze der dritten Pandemie-Welle „überschritten“, sagte Ungarns Kanzleiminister Gergely Gulyas am Donnerstag selbstbewusst. 2,6 Millionen Ungarn sind demnach geimpft. Drei Millionen sollen es in fünf bis sechs Tagen sein. Und dann werde die Regierung in Budapest über weitere Lockerungen in der Corona-Pandemie entscheiden, sagte Gulyas vor Jounalisten in Budapest. 

In Polen ist man von solchen Überlegungen meilenweit entfernt. Der Lockdown wurde verlängert. Bis vorerst 18. April bleiben jedenfalls die Schulen und Kindergärten ebenso geschlossen wie Frisure oder Kosmetiksalons.

„Covidianer“

Doch das Hauptproblem bleibt bestehen: Wer sich an die Anti-Corona-Regeln hält und Maske trägt, wird mitunter als „Covidianer“ geschmäht. Viele Bürger hielten sich nicht an die Beschränkungen, hielten keinen Abstand und trügen auch zu inkosequent Masken, konstatiert nicht nur Krzystof Simon, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten in einem Breslauer Spital.

APA/AFP/JANEK SKARZYNSKI

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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