Präsidentenwahl in Brasilien: Lulas letztes Gefecht

Politik

Nicht einmal Ayrton Senna ist vor den Wahlkämpfern in Brasilien sicher. Die Statue des legendären 1994 tödlich verunglückten Formel-1-Rennfahrers, der in dem südamerikanischen Land wie ein Heiliger verehrt wird, schmücken seit ein paar Tagen politische Botschaften. „Brasilien gehört den Brasilianern“, ist darauf zu lesen, gleich daneben ein Bild von Brasiliens amtierendem Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva (80).

Der will im Idealfall schon am Sonntag im ersten Durchgang zum insgesamt vierten Mal zum Präsidenten des größten lateinamerikanischen Landes gewählt werden. Kommen er oder sein aussichtsreichster Rivale Flavio Bolsonaro (45) nicht über die 50-Prozent-Marke, geht es am 25. Oktober in einer Stichwahl. Derzeit sagt keine Umfrage einen Wahlsieg eines Kandidaten im ersten Durchgang voraus. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.

Lulas „letzter Tanz“

Nur ein paar Meter von der Senna-Statue entfernt haben sich am vergangenen Wochenende auf der Avenida Atlantica an der Copacabana in Rio de Janeiro tausende Lula-Anhänger versammelt. Sie wissen: Es ist sein „letzter Tanz“, sein letzter Präsidentschaftswahlkampf. Sie wollen es noch einmal schaffen.

Lange sah es danach aus, als würde er den Sieg vergleichsweise sicher einfahren. Das lag auch daran, dass innerhalb der Bolsonaro-Familie Rivalitäten zwischen dem Vater Jair und seinem zum Präsidentschaftskandidaten ausgerufenen erstgeborenen Sohn Flavio und dessen Stiefmutter Michelle Bolsonaro öffentlich ausgetragen wurden.

Dann sorgte nach neuerlichen Trump-Strafzöllen aus Washington eine Welle der nationalen Solidarität für frischen Rückenwind für Lula da Silva. Lula wirft Trump vor, sich in den brasilianischen Wahlkampf einzumischen und zu versuchen, die Souveränität des Landes zu untergraben.

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Dann aber wendete sich das Blatt. Eine kurze Frage hat die Karten in Brasilien ganz neu gemischt. „Glaubst du, ich sollte am Montag verschwinden“, fragte Skandalbanker Daniel Vorcaro seinen Gesprächspartner inmitten von Geldwäsche-Ermittlungen der Bundespolizei.

Gerichtet war die Frage an niemanden Geringeren als an Alexandre de Moraes, Mitglied im Obersten Gerichtshof (STF) in Brasilien. Er gilt als mächtigster Jurist des Landes und war federführend bei der Verurteilung des rechtspopulistischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro wegen eines mutmaßlichen Putschversuches. Doch jetzt kommen Enthüllungen ans Licht, die Moraes ins Zentrum eines Korruptionsskandals rücken.

Auch Lula-Sohn korrupt?

Ein paar Tage zuvor hatte das Lula-Lager bereits ein anderer Skandal mit voller Wucht getroffen. Es stehen Vorwürfe gegen den Präsidentensohn Fábio Luís da Silva, genannt Lulinha, im Raum. Er soll Millionen dafür kassiert haben, Verträge mit staatlichen Institutionen und Ministerien eingefädelt zu haben. Lulas Sohn residiert inzwischen in der spanischen Hauptstadt Madrid. „Ich glaube an die Unschuld meines Sohnes“, sagte Lula in dieser Woche.

Noch härter trifft Lulas Wahlkampfteam allerdings der Skandal um den prominentesten Richter des Obersten Gerichtshofs, für dessen Frau Millionenverträge aus der Kasse des insolventen Skandalbankers Vorcaro abfielen.

Alexandre de Moraes wurde zwar nicht von Lula nominiert, wird aber von der brasilianischen Öffentlichkeit als Lulas Mann im Obersten Gerichtshof wahrgenommen. Das liegt daran, dass Moraes in der Vergangenheit alle wesentlichen Entscheidungen zugunsten Lulas getroffen hat. Unter anderem hat er mit dem Bolsonaro-Urteil dafür gesorgt, dass Lulas eigentlich größter Gegenspieler nicht auf dem Wahlzettel steht. Dass er nun unter Verdacht steht, käuflich zu sein, stellt die Glaubwürdigkeit seiner Entscheidungen in Frage.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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