Sigmund Freud macht sich Sorgen: „Anna, Du verbirgst uns etwas.“

Kultur

Gioia Osthoff, von 2017 bis 2020 im Ensemble der Josefstadt und heuer bei den Festspielen Reichenau, stieß auf den Briefwechsel zwischen Anna Freud und deren Vater. Daraus kompilierte sie einen Dialog, den sie mit weiterem Material ergänzte (Daniela Finzi vom Freud Museum beriet wissenschaftlich). Und sie gewann Devid Striesow, den Leseabend gemeinsam zu bestreiten.

Er hatte gerade den Film „Vaterland“ abgedreht, in dem Erika Mann ihren Vater auf einer Reise durch das geteilte Nachkriegsdeutschland begleitet: Eine irgendwie vergleichbare Konstellation. Denn in beiden Fällen kümmern sich die Töchter um die Väter. 

Anna Freud (1895–1982) dürfte ein Papa-Kind gewesen sein. Später wurde sie seine Sekretärin, sie organisierte die Flucht aus Österreich, schließlich pflegte sie Sigmund Freud bis zu dessen Tod. Doch „Freud! Mein schwarzer Teufel“ ist auch die Geschichte einer Tochter, die mit einem übermächtigen Vater aufwächst, sich emanzipiert und zu einer Pionierin der Kinderpsychoanalyse wird.

Am 23. August gab es eine Vorpremiere beim Kultursommer Semmering, am Samstag fand im MuTh die Uraufführung statt. Der Leseabend beginnt mit Stefan Zweigs „Worten am Sarge Sigmund Freuds“ 1939 in London. Danach stellt sich Anna Freud vor: Der Psychiater, der sie liebevoll „mein schwarzer Teufel“ nannte, sei der einzige Mann in ihrem Leben gewesen. Dass dieses Intro nicht von Anna Freud stammt, hätte Gioia Osthoff vielleicht erwähnen können.

Der Briefwechsel, chronologisch vorgetragen (der Weltkrieg bricht aus, Menschen sterben, die Nazis verbrennen Freuds Schriften), berührt: Sie berichtet ihrem „Papa“ überschwänglich, er antwortet in geschliffenen Worten voll Güte – und mitunter sorgenvoll, weil sie sich keinen Mann finde und an ihn klammere: „Anna, Du verbirgst uns etwas, vielleicht auch etwas vor Dir selbst.“

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Das der aktuellen Lage geschuldete Schlusswort ist einem Brief von Freud an Einstein aus 1932 entnommen: „Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.“ Er sei davon überzeugt. Die Tochter pflichtet bei.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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