Weißmanns 3.820 Chats: Warum mancher Stiftungsrat nun für einen Vergleich plädiert

Kultur

Es könnte für den ORF noch richtig teuer werden.

Vor dem Arbeits- und Sozialgericht geht es ab Mittwoch um jene Presseaussendung, in der nicht nur der sofortige Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor bekannt gegeben wurde. Öffentlich gemacht wurde darin – entgegen vorheriger Absprachen –, dass eine ORF-Mitarbeiterin den Vorwurf der sexuellen Belästigung erhoben hat.

Das wurde von Weißmann stets bestritten und auch durch eine spätere Compliance-Untersuchung verneint. Wer für den Inhalt verantwortlich ist, ist nun zu klären. Als Rückfragehinweis finden sich auf der ORF-Aussendung Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer und sein damaliger Stellvertreter Gregor Schütze.

Kontext

Entscheidend sind einmal mehr die Chats, die Weißmann mit jener ORF-Mitarbeiterin geführt hat. Die bisher nur auszugsweise veröffentlichten Nachrichten haben für viel Aufregung gesorgt. Weißmann betonte stets, dass die Nachrichten im Gesamtkontext anders zu bewerten sind.

Neu ist: Dem Vernehmen nach meint nun auch die Staatsanwaltschaft, dass für eine Bewertung die Chats im Gesamten zu betrachten wären.

Diese ermittelt nämlich inzwischen wegen des Verdachts der schweren Erpressung und des Missbrauchs von Tonaufnahme- und Abhörgeräten gegen die Frau und ihren Anwalt. Im Zuge dessen wurden auch Telefone beschlagnahmt und ausgewertet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

In einem Zwischenbericht konnten die Ermittler der Staatsanwaltschaft nun den vollständigen, teilweise forensisch wiederhergestellten Chatverlauf der Mitarbeiterin mit Weißmann liefern. Es sind 3.820 Nachrichten, die von 2021 bis 2026 hin- und hergingen. Immer wieder waren, häufig durch Weißmann, die Kommunikation und Beziehung unterbrochen. Sehr vieles davon sei trivial, ist zu hören. Häufig gehe es etwa um Verabredungen zum Laufen, Essen etc. zwischen „Rolilein“ und der Frau„lein“.

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Gleiche Höhe

Aus Stiftungsratskreisen heißt es nun: Es gebe in den Nachrichten keine (beruflichen) Drohungen Weißmanns. Die Kommunikation habe auf gleicher Höhe stattgefunden. Das betreffe auch den Umgang mit intimen Aufnahmen.

Eine erste Einschätzung, die einige auch kritisch sehen. Aber der frühere ORF-Chef hat nun, wie berichtet, die Stiftungsräte brieflich eingeladen, selbst Einblick zu nehmen. Stiftungsratschef Lederer sieht darin allerdings keinen Sinn: „Ich habe volles Vertrauen in die Gerichte, die alle Ermittlungsergebnisse würdigen werden. Ein Stiftungsrat ist kein Gericht. Ich werde deshalb keine Einschau in Zwischenberichte halten.“

FPÖ-Vertreter Peter Westenthaler hat es hingegen getan: „Hunderte neue Chatnachrichten ergeben eine dramatische Veränderung der Situation und eine völlig andere Sicht auf den Sachverhalt.“ Der Ermittlungsbericht, aus dem er keine Details nennen will, lasse nur einen Schluss zu: „Es herrschte über das, was zwischen den beiden Personen stattgefunden hat, Einvernehmen im besten Sinn des Wortes.“

Westenthaler mahnt zudem: „Es muss sich das Unternehmen schützen, was diese Mitarbeiterin betrifft, die offenbar weite und elementare Teile der Chats verschwiegen hat.“ Und der blaue Stiftungsrat meint: „Der Bericht der Ermittler stellt eine weitgehende Wiederherstellung der Reputation Weißmanns dar.“

Westenthaler rät der ORF-Führung, „ebenfalls raschest Einblick zu nehmen“. Und er hat Generaldirektorin Ingrid Thurnher bereits schriftlich mitgeteilt: „Es herrscht dringender Handlungsbedarf. Denn das wird wohl auch Auswirkungen auf die Prozesse, die Weißmann gegen den ORF führt, haben.“

So auch bei jenem, der am Mittwoch startet. Es gibt inzwischen Stiftungsräte, die meinen, es sei Zeit, Vergleichsgespräche zu führen. Weißmann bietet diese in seinem Brief an den Stiftungsrat an, „um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten und die Situation gesamthaft …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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