Warum die Zahlen steigen und trotzdem gelockert wird

Politik

Die Masken im Handel sollen am 22. Juli fallen, nur Wien geht einen Sonderweg. Komplexitätsforscher Klimek warnt vor Ansteckungen in der Risikogruppe

Die Maske bleibt also doch Pflicht – zumindest in Wien.

Während die Corona-Taskforce morgen, Donnerstag, mit Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein das Vorgehen in der Covid-19-Krise berät, hat sich die Stadtregierung in der Bundeshauptstadt bereits festgelegt: Beim Einkaufen bleibt das Tragen einer Maske auch nach dem 22. Juli verpflichtend – und zwar nicht nur im Lebensmittelhandel, sondern überall, sprich: in Kinos, bei Kulturveranstaltungen und Indoor-Treffen. Warum?

Im Büro von Michael Ludwig verweist man auf die Salzburger Festspiele, wo die Maßnahme zuletzt nach einem Infektionsfall per Hausordnung verordnet wurde. „Wir machen jetzt eine entsprechende Hausordnung für ganz Wien“, sagt ein Sprecher Ludwigs zum KURIER.

Die Maskenpflicht gelte auch bei der Einhaltung der 3G-Regel, schließlich sei ein Corona-Test nur eine Momentaufnahme.

Der Vorstoß von Wien ist insofern bemerkenswert, als Kanzler Sebastian Kurz und Minister Wolfgang Mückstein erst Anfang des Monats erklärt haben, dass die Maskenpflicht per 22. Juli fallen soll.

Daran will man vorerst festhalten – bis auf Wien.

„Der Bund gibt Mindeststandards vor, die Länder können im Bedarfsfall nachschärfen“, heißt es im Kanzleramt. Eben dort beobachtet man die steigenden Ansteckungszahlen zwar aufmerksam, aber noch nicht alarmiert. Der Grund liegt in der Struktur der Infizierten: Derzeit, so heißt es, seien sieben von zehn Neuinfizierten jünger als 35 Jahre. Nur fünf Prozent der Neuinfizierten seien älter als 65 und damit allein ob ihres Alters statistisch gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken.

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Zusammengefasst kann man also sagen: Da sich – vorerst – vor allem junge Menschen neu infizieren und weil es zudem den Schutz durch die Impfung und flächendeckend die Möglichkeit von Tests gibt, ist die Regierung noch ein gutes Stück davon entfernt, drastischere Maßnahmen zu diskutieren.

Stattdessen lautet das Motto derzeit: All jene, die noch zaudern, sollten in den nächsten Tagen und Wochen überzeugt werden, sich impfen zu lassen.

Als nachgerade fix gilt unter Experten und in der Bundesregierung, dass die Zahl der Neuinfektionen weiter und sehr deutlich steigen werde.

„Unterm Strich haben sich die Fälle in den vergangenen zehn Tagen verdoppelt. Und wir gehen davon aus, dass sich das in den nächsten Wochen fortsetzt“, sagt Komplexitätsforscher Peter Klimek zum KURIER.

Klimek erwähnt unter anderem eine Problemgruppe, nämlich die 45- bis 54-Jährigen: „Hier sind etwa 35 Prozent noch nicht erstgeimpft.“ Gerade in dieser Altersgruppe landen tendenziell aber deutlich mehr Corona-Infizierte in Spitälern als bei jüngeren Kohorten.

Für Klimek ist die Konsequenz klar: „Wir können das Geschehen nicht unkontrolliert weiterlaufen lassen, weil wir bei der Durchimpfungsrate noch nicht so weit sind, dass wir eine neue Welle verhindern könnten und es zu keinen Ansteckungen in der Risikogruppe kommt.“

Ziel bleibe, den Anstieg hinauszuzögern. „Je länger dies gelingt, umso länger kann man härtere Maßnahmen verhindern.“

Als Maßnahme, um dies zu erreichen – nämlich insbesondere die Impfung unter jüngeren Bevölkerungsgruppen zu forcieren – gelten die Verschärfungen, die ab 22. Juli jedenfalls in Kraft treten: Ab diesem Tag darf nur derjenige ein Nachtlokal besuchen, der als geimpft gilt oder ein negatives PCR-Testergebnis vorweisen kann. Darüber hinaus wird Mückstein sich für eine PCR–Testpflicht für …read more

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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