
Der Bau neuer Rechenzentren belastet die Bilanz von Amazon. Der US-Internetkonzern will im laufenden Jahr 220 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur stecken. Er folgt damit dem Beispiel der Mitbewerber. Bei Google sind es heuer bis zu 205 Milliarden Dollar und bei Meta zwischen 135 und 145 Milliarden Dollar. Microsoft schraubte seine Investitionsprognose diese Woche von 175 auf 170 Milliarden Dollar herunter.
Die hohen Ausgaben schlagen sich in der Amazon-Bilanz nieder. Der Barmittelabfluss hat sich in den vergangenen drei Monaten auf 42,4 Milliarden Dollar nahezu versechsfacht. Gleichzeitig blieben sowohl die Zahlen für das dritte Quartal als auch der Ausblick trotz eines Wachstumsschubs im wichtigen Cloud-Geschäft hinter den Markterwartungen zurück.
Besorgniserregende Entwicklung
Diese Entwicklung sei besorgniserregend, sagte Portfoliomanager Dave Wagner vom Vermögensverwalter Aptus. „Das operative Geschäft erwirtschaftet reichlich Geld, aber die Investitionen verschlingen es komplett.“
Auch Alphabet und Meta haben ähnliche Probleme
Amazon hat damit mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die Google-Mutter Alphabet und der Facebook-Betreiber Meta. Die beiden Letzteren mussten im dritten Quartal einen negativen Free Cash Flow von knapp zehn Milliarden Dollar beziehungsweise 2,1 Milliarden Dollar hinnehmen. Unter den großen US-Technologiekonzernen verbuchte lediglich Microsoft einen Barmittelzufluss. Dieser fiel mit 18,6 Milliarden Dollar zudem doppelt so hoch aus wie erwartet.
Amazon-Chef hält an Ausgabenkurs fest
Amazon-Chef Andy Jassy sagte in einer Telefonkonferenz, die Investitionen würden im kommenden Jahr noch einmal „deutlich höher“ ausfallen. Genauere Angaben machte er jedoch nicht. Gleichzeitig äußerte er sich optimistisch über die mittelfristigen Wachstumsaussichten.
Die Cloud-Tochter Amazon Web Services (AWS) könnte bereits 2031 mehr als eine Billion Dollar Jahresumsatz erreichen. In den vergangenen drei Monaten steigerte sie ihren Umsatz um etwa 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar. Dies war das größte Plus seit rund fünf Jahren.
In anderen Geschäftsfeldern lief es für Amazon weniger rund. So verlangsamte sich das Wachstum der Werbeeinnahmen überraschend deutlich auf zwölf Prozent. Dadurch blieben die Konzernerlöse mit 201,9 Milliarden Dollar leicht hinter den Markterwartungen zurück.
Auf dieser Basis stellte der Onlinehändler für das laufende Quartal einen Umsatz zwischen 240 und 247 Milliarden Dollar in Aussicht. Der Mittelwert dieser Spanne liegt unter den 244,5 Milliarden Dollar, die Analysten bisher prognostiziert hatten. Dies schürte Spekulationen, dass sich die Verbraucher wegen der anziehenden Inflation im wichtigen Weihnachtsgeschäft mit ihren Ausgaben zurückhalten könnten.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



