Studie: Großteil der Geflüchteten arbeitet unter ihrer Qualifikation

Wirtschaft

Der Fachkräftemangel bleibt das große Thema in der heimischen Wirtschaft. Der zusätzliche Bedarf kann in den nächsten Jahren nur durch ausländische Arbeitskräfte gedeckt werden. Bei der Gruppe der Geflüchteten gebe es noch viel Potenzial, geht aus einer qualitativen Studie  der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba) im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) Wien hervor. 

Derzeit sind etwa 90.000 Geflüchtete in Österreich beschäftigt, das sind 9 Prozent aller ausländischen Beschäftigten. Der Großteil von ihnen arbeitet aber nicht entsprechend ihrer Qualifikation, so das wenig überraschende Ergebnis. Forba spürte anhand von Interviews mit Geflüchteten, Unternehmen und Experten die Gründe für die nicht adäquate Beschäftigung nach. Herangezogene Herkunftsländer waren dabei die Ukraine, Syrien, der Irak und der Iran.

Die größten Hürden sind bekannt: mangelnde Deutschkenntnisse, Unklarheit über den Aufenthaltstitel oder fehlende Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen. Dazu kommen ökonomische Zwänge, rasch irgendeine Arbeit aufzunehmen, sowie die Jobvermittlung durch das AMS nach dem Motto „Job vor Qualifikation“. Durch die rasche Jobaufnahme komme es zu einem Drehtür-Effekt, aus dem die Betroffenen schwer herauskommen. Und auch bei den Betrieben ortet die Studie Hürden, etwa in der 

Schwierige Jobsuche für Frauen

Besonders schwer am Arbeitsmarkt haben es Frauen. Forba-Studienautorin Johanna Neuhauser nennt als Beispiel eine IT-Expertin aus der Ukraine, die aus Geldnot weit unter ihren Qualifikationen beschäftigt ist und Sorgen hat, in einigen Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein. 

Die Erwerbsquote bei den Frauen aus Syrien und Afghanistan ist mit 29 Prozent sehr gering. Auch deshalb, weil es große Beschäftigungshürden gebe, erläutert Neuhauser. So seien viele Frauen in reglementierten Berufen wie etwa in der Pflege oder in der Kinderbetreuung tätig, hätten wiederum selbst Betreuungspflichten und könnten daher oft nur Teilzeitjobs annehmen. Auch das Kopftuch sei oft ein Einstellungshindernis. 

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Die Studie zeige aber auch Potenziale auf, etwa eine hohe Arbeitsmotivation bei den Betroffenen und der große Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit. Grundsätzlich verfolgten Geflüchtete oft klare Ziele und hätten eine teils große Bereitschaft, Deutschkenntnisse zu erlangen, schilderte Neuhauser. 

Hausgemachte Hürden

„Die Hürden sind hausgemacht und kosten letztlich den Staat auch viel Geld“, sagt Martin Schmidhuber, stellvertretender Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt und Integration der AK Wien. „Die Qualifikationen Geflüchteter zu nutzen, ist mittelfristig ein Gewinn für alle, für Beschäftigte, Unternehmen und den Staat.“  Mit einer der Qualifikation entsprechenden Tätigkeit steige die Chance auf eine langfristige Beschäftigung und sinke gleichzeitig das Risiko, in prekären Jobs zu verharren. 

Schmidhuber sieht auch die Betriebe gefordert. „Sie müssen sich bei der Rekrutierung mehr öffnen: Die Zielgruppe der Geflüchteten ist bei der Personalsuche unter dem Radar.“ Hier seien mehr Sensibilisierung und Aufklärung gefragt. Auch müssten Geflüchtete die Möglichkeit erhalten, neben dem Job die Sprachkenntnisse zu verbessern. 

Forderung nach „Spurwechsel“

Die AK fordert auch Änderungen im Asylrecht. Wenn Geflüchtete einen Job haben, aber einen negativen Bescheid erhalten, sollte man ihnen die Möglichkeit einer Rot-Weiß-Rot-Karte für den weiteren Aufenthalt anbieten. Mit diesem „Spurwechsel“ könnten schon im Land befindliche Fachkräfte gehalten werden, so Schmidhuber. 

Die Arbeiterkammer Wien fordert daher unter anderem, die Sprachkurse besser mit den Qualifikationen der Geflüchteten zu „verzahnen“, etwa durch Fachschulungen und berufliche Praktika. Auch während der Arbeitszeit müsse dies möglich sein.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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