Fuhrgassl-Huber-Chef: „Könnten ohne Buschenschank nicht überleben“

Wirtschaft

Winzer Thomas Huber vom Fuhrgassl-Huber über die heurige Lese, warum Wiener Winzer ohne Buschenschank nicht überleben könnten und er sich vom Neustifter Kirtag seit Jahren distanziert.

KURIER: Selten hat die breite Öffentlichkeit der Weinlese so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie heuer. Man geht aufgrund der Hitze von einem Minus von 30 Prozent in Österreich aus. Wie läuft die Lese bei Fuhrgassl-Huber?

Thomas Huber: Ich beziffere das Minus bis dato bei etwa 50 Prozent. Vergangenes Jahr war hingegen eine überdurchschnittliche Ernte. Man muss es im langjährigen Durchschnitt sehen – heuer wird sicher ein Ausreißer nach unten sein, wobei der Wein qualitativ sehr gut ist. Aber es ist schwierig zu wissen, wo es in Zukunft hingeht. Wir sichern uns ab und werden Bewässerungen installieren.

Hatten Sie bisher keine?

Nein, wir hatten das Privileg, hier im Krottenbachtal sogar den Boden zu entwässern. Bedeutet, dass unsere Bodenstruktur sehr lehmig ist und generell die Feuchtigkeit stark hält. Das ist aber heuer nicht so gewesen – im Gegenteil. Wir hatten sogar größere Schäden, weil der Lehm irgendwann zu reißen anfängt und so fest wird, dass die Feinwurzeln in der Rebe absterben.

Wie viel planen Sie zu investieren und wie schnell?

Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, möchte ich alles in ein bis zwei Jahren umsetzen. Die Frage ist nur das infrastrukturelle – wie bekomme ich das Wasser und wie viel? Da gibt es Möglichkeiten und die prüfen wir gerade.

Wann war heuer Ihr erster Erntetag?

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(Schaut in den Kalender.) Am 18. August. Da hat aber nicht die Ernte für Sturm und Most begonnen, sondern für Qualitätswein.

Das ist sehr früh.

Anfang September war früher des Winzers schönste Zeit. Die einen hatten ausgesteckt, die anderen waren vor der Ernte noch auf Sommerurlaub. Jetzt haben wir diese Zeit leider gegen einen trüben, dunklen, nassen November tauschen müssen. Aber ja, wir schließen tatsächlich die Ernte Ende dieser Woche ab. Da gibt es Jahre, da hatte ich noch nicht einmal damit begonnen.

Wie wichtig ist der Heurigenbetrieb für Ihren Gesamtumsatz?

In Wien begünstigt die Stadtnähe schon eine Buschenschank oder einen Heurigen zu betreiben. Es gibt viele bekannte Weingüter, die vor zehn Jahren nicht darüber nachgedacht hätten, jemals ein gastronomisches Event oder Pop-up am Weingut zu veranstalten. Jetzt tun sie das, weil sie den Kontakt zum Endkonsumenten brauchen.

Weil?

Natürlich hat man die Möglichkeit, den Wein teuer zu verkaufen. Aber man vergisst, dass wir in Wien ganz andere Produktionshintergründe haben als zum Beispiel im Weinviertel, wo die Grundstücke vergleichsweise nichts kosten. Unsere Voraussetzungen sind viel schwieriger, günstigen Wein zu produzieren. Das heißt, wir brauchen die Buschenschank. Ich bin davon überzeugt, dass fast jeder Betrieb in Wien ohne Buschenschank nicht überleben könnte.

Wie sehr schätzen die Österreicher ihre Heurigen?

Wenn man einen Heurigen hat, darf die Tradition keine Entschuldigung für Stillstand sein. Die Leute kommen wiederum aufgrund der Tradition gerne her, weil in einer Zeit, in der über Nacht alles anders sein kann, beim Heurigen die Uhren noch ganz anders laufen. Das bedeutet aber nicht, dass die Qualität nicht gut sein muss. Das haben die, die es jetzt noch gibt, auch verstanden.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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