
Als María Corina Machado das Podium betritt, brandet gewaltiger Applaus auf. Sie steht in der Aula der Katholischen Universität Andrés Bello in Caracas. Hier hat die 59-Jährige einst studiert. Und hier wurde sie 2023 zu Venezuelas Oppositionsführerin.
Zur Präsidentschaftswahl danach durfte sie nicht mehr antreten. Ihr Ersatzkandidat gewann diese laut Zählungen der Opposition aber klar. Der autoritäre Staatschef Nicolás Maduro ließ sich dennoch zum Sieger küren.
Seitdem sind mehr als zwei Jahre vergangen und in Venezuela ist alles anders. Machado erhielt in Oslo den Friedensnobelpreis für ihren Kampf um Demokratie und saß danach im Exil fest. Maduro wurde im Jänner in einer US-Militäroperation nach New York entführt, wo ihm der Prozess gemacht wird. Seine Stellvertreterin Delcy Rodríguez regiert seither unter US-Vormundschaft.
Nun ist María Corina Machado in die Heimat zurückgekehrt: Auf dem Landweg über Kolumbien fuhr sie nach mehr als einem halben Dutzend gescheiterter Versuche am Sonntag umjubelt von Unterstützern in einer riesigen Autokolonne bis in die Hauptstadt. „Ich stand im gleichen Stau. Es war bemerkenswert, was sich entlang der Autobahn mobilisiert hat“, sagt Anja Dargatz, Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Venezuela zum KURIER.
Timing kein Zufall
Dass Machado ausgerechnet jetzt in Venezuela aufschlägt, sei kein Zufall, meint die Beobachterin: „Sie hätte schon früher zurückkehren können, aber nicht unter den Umständen, die sie sich wünscht.“ Denn: Die Nobelpreisträgerin braucht die Unterstützung der USA. Washington wollte aber sein gutes Verhältnis zur Interimsregierung, der US-Präsident Donald Trump „großartige Arbeit“ attestiert, keinesfalls gefährden. Machado galt als Unsicherheitsfaktor und war damit in einer schwierigen Lage. Je länger sie im Exil war, desto mehr politische Unterstützung drohte sie zu verlieren.
Mit viel Lobbyarbeit – und vermutlich der Aufforderung aus dem Weißen Haus, kooperativ zu sein – scheint sie schließlich grünes Licht bekommen zu haben. „Und es ist vielleicht auch für die USA nicht mehr glaubwürdig, die de-facto-Siegerin der Präsidentschaftswahlen länger hinzuhalten“, so Dargatz.
Viele Fragen zu ihrer Zukunft sind noch offen. Fest steht aber: Machado bringt eine neue Dynamik nach Venezuela. Seit August laufen dort von den USA initiierte Gespräche zwischen Vertretern des Maduro-Regimes und handverlesenen Oppositionellen. Dabei geht es nicht um Entschädigungen, um Aussöhnung oder Visionen für das Land. Besprochen werden technische Schritte: Erdbebenhilfe, die Freilassung von politischen Gefangenen, Pressefreiheit, die Neubesetzung des Obersten Gerichtshofes.
Machado war von Anfang an nicht Teil davon – und wird das wohl auch nicht werden. Auch auf wirtschaftliche Absprachen (etwa Trumps milliardenschwere Öl-Abkommen) habe sie keinen Einfluss, sagt Dargatz.
Wahlen 2027?
Deswegen steckt sie nun ihre Kraft in die Vorbereitung von Präsidentschaftswahlen. „Machado versucht, ihre Basis zu stärken. Freundlich rüberzukommen, die Mutter der Nation zu sein, Hände zu schütteln, neue Wähler zu gewinnen.“
So auch am Donnerstag, als die konservative Politikerin, die eigentlich nicht als Brückenbauerin bekannt ist, an der Uni in Caracas erstmals vor die Presse trat: sanft, lächelnd, im weißen Anzug mit Venezuela-Pin. „Lasst uns frei sein“, stand in großen Lettern hinter ihr. Auch sonst sprach Machado viel in der Wir-Form, sendete hoffnungsvolle Botschaften: „In Venezuela wird es Erinnerung, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung geben. Niemals wieder wird ein Venezolaner unter Staatsterrorismus leiden.“
Der demokratische Wandel sei unumkehrbar, sagt sie. Wahlen …read more
Source:: Kurier.at – Politik



