
Der Wohnungsmarkt bleibt noch länger angespannt. „Wo wir ein Thema haben, ist die Bautätigkeit“, betonte der Direktor des Ressorts Finanzmarktstabilität und Bankenaufsicht in der Nationalbank, Markus Schwaiger, bei der Präsentation der ersten Wohn- und Gewerbeimmobilien-Marktberichte der OeNB, die nun jährlich erscheinen sollen. Die Baubewilligungen seien deutlich unter dem Niveau von früher. „Leistbarkeit und Bautätigkeit werden ein Thema über die nächsten Jahre bleiben.“
Fertigstellungen von Wohnungen sinken seit 2021 dramatisch
Nach jährlich im Schnitt rund 60.000 Fertigstellungen erreichten diese dann 2021 mit fast 75.000 ihren Höchststand, danach ging es steil nach unten. „Sowohl die Wohnbautätigkeit als auch die Finanzierung haben Rückwirkungen auf die Finanzmarktstabilität“, erklärte Schwaiger rückblickend auf die vergangenen 25 Jahre. „Durch den Preisanstieg nach der Finanzkrise hat sich die Struktur der Wohnbautätigkeit geändert.“ 2011 habe es noch einen relativ hohen Anteil privater Bauträger gegeben – „heute ist das ganz anders, der ist zurückgegangen“. Das stehe im Zusammenhang mit den stark gestiegenen Grundstückspreisen.
Private Wohnbautätigkeit ist stark gesunken
Der Anteil von errichteten Objekten mit ein bis zwei Wohneinheiten habe sich von 46 Prozent auf 21 Prozent mehr als halbiert und der Anteil gewerblicher Bauten habe sich von 25 Prozent auf 45 Prozent nahezu verdoppelt.
Auch der Anteil des gemeinnützigen Wohnbaus sei gesunken. Ein Grund dafür sei, dass die Wohnbauförderung von einst 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 0,5 Prozent verringert wurde. „Laut jüngsten Zahlen nehmen der private und der gemeinnützige Teil wieder zu“, relativierte Schwaiger.
Zwei Drittel aller Kredite haben Immobilienbezug
Die Leistbarkeit von Wohnimmobilien ist laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) für die Finanzmarktstabilität relevant. „Zwei Drittel aller Bankkredite in Österreich haben einen Immobilienbezug, also sind Immobilien ein wichtiger Faktor – wenn es Probleme gibt, spürt man das schnell im Finanzsektor“, verdeutlichte der OeNB-Direktor des Ressorts Finanzmarktstabilität, Bankenaufsicht und Beteiligungen, Thomas Steiner, am Donnerstag in einer Pressekonferenz.
Kredite werden nicht mehr so rasch vergeben
Die Kreditvergabestandards der Banken seien heute „in Ordnung“, sagte Steiner mit Blick auf die Mitte 2022 bis Ende Juni 2025 geltende KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung, Anm.), die den Banken strengere Regeln zur Vergabe von Wohnbaukrediten vorschrieb.
Steigen die Preise stärker als die Einkommen, sinkt die Leistbarkeit von Immobilien und es müssen höhere Kredite aufgenommen werden. Eine höhere Verschuldung der privaten Haushalte relativ zu ihrem Einkommen steigert aber das Kreditausfallrisiko. Bei einem starken Anstieg der Immobilienpreise bestehe die Gefahr einer Kredit-Preis-Spirale. In Österreich seien derzeit fast eine Million Kredite zur Wohnimmobilienfinanzierung ausständig.
Finanzierungen der Österreicher deutlich sicherer
„Die Österreicher haben ihr Risiko deutlich reduziert“, sagte Schwaiger unter Verweis auf die privaten Finanzierungen. In den 2000er-Jahren boomten die Fremdwährungskredite, beispielsweise in Schweizer Franken. „Jeder dritte Kredit war in Fremdwährungen – das haben wir nicht mehr, jetzt sind wir bei etwa 4 Prozent.“
Weiters seien von fünf Krediten vier variabel verzinst gewesen. „Das passt nicht unbedingt zum Produkt – das hat man zum Zeitpunkt der Zinswende schmerzlich vor Augen geführt bekommen“, vermerkte der OeNB-Direktor. Der durchschnittliche Immo-Kredit in Österreich liegt bei über 200.000 Euro. „Der hat sich verdoppelt“, sagte Schwaiger. Denn die Zinsen stiegen von 1 auf über 5 Prozent.
Kreditausfälle sind bei Gewerbeimmobilien nun höher
„Hier ist Risiko herausgenommen worden: es gibt kaum noch Fremdwährungskredite, …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



