
Die ungarische Tageszeitung „Népszabadság“ wird genau zehn Jahre nach ihrer Einstellung wieder als Online-Nachrichtenportal zurückkehren und zudem als gedrucktes Wochenblatt erscheinen. Die plötzliche Einstellung der maßgeblichen linksliberalen Qualitätszeitung am 8. Oktober 2016 galt als einer der drastischsten Angriffe auf die Pressefreiheit unter der heuer abgewählten Regierung von Viktor Orbán.
Herausgeber ist der Verlag Liberty Press GmbH. Hauptinvestor ist die neu gegründete 4Sight Media Group, die von vier ungarischen Privatpersonen getragen wird. 90 Prozent gehören der Media Group und zehn Prozent Ákos Tóth, der neuer Chefredakteur der Zeitung wird. Tóth war vor der Einstellung einer der Vizechefredakteure von „Népszabadság“ gewesen. Die Finanzierung gilt laut Aussendung für zwei Jahre als gesichert. Neben ungarischer und internationaler Politik will sich das neue Blatt verstärkt gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen widmen.
Einstellung ohne Vorankündigung
2016 stellte Mediaworks, der damalige Eigentümer der „Népszabadság“, die Druckausgabe und die Webseite des renommierten linksliberalen Blattes über Nacht ohne Vorankündigung ein. Als Grund wurden wirtschaftliche Verluste genannt, während Kritiker von einem politisch motivierten Vorgehen gegen das regierungskritische Blatt durch die Regierung des damaligen Premiers Viktor Orbán sprachen. Mediaworks stand damals im Eigentum der österreichischen Investmentfirma Vienna Capital Partners (VCP) von Heinrich Pecina, dem laut Medienberichten eine Schlüsselrolle bei der Schließung der Zeitung zugekommen sein dürfte.
„Népszabadság“ wurde während des ungarischen Volksaufstandes 1956 als Nachfolger der kommunistischen Parteizeitung „Szabad Nép“ (Freies Volk) gegründet. Im Staatssozialismus war sie das Zentralorgan der Staatspartei Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei (MSZMP). Nach der Wende 1989 positionierte sich „Népszabadság“ als linksliberale, überregionale Zeitung und galt viele Jahre lang als wichtigste Qualitätszeitung des Landes.
Source:: Kurier.at – Kultur



