
Clairefontaine kennt Zinedine Zidane noch aus einer anderen Zeit. Im Trainingszentrum des französischen Fußballverbandes bereitete sich Zizou, wie er seit seiner Zeit bei Bordeaux genannt wird, einst selbst auf Länderspiele vor. Jetzt ist er zurück – als Teamchef der Équipe Tricolore.
Für die französischen Spieler ist das eine Begegnung mit ihrer eigenen Fußballgeschichte. „Wir waren alle Fans von ihm, als wir Kinder waren“, sagte der Ex-Salzburger Dayot Upamecano nach der ersten Einheit unter dem neuen Trainer. Kylian Mbappé, der inzwischen selbst Kapitän und Superstar der Franzosen ist, kennt Zidane ebenfalls seit seiner Jugend. „Ich denke, es gibt nichts Besseres, als ihn hier im Schloss zu treffen“, sagte der Real-Madrid-Stürmer vor dem ersten gemeinsamen Lehrgang. Zidane bestätigte, dass Mbappé Kapitän bleibt.
Zidane übernimmt eine Mannschaft, die kaum einen Umbruch benötigt. Didier Deschamps hatte die Franzosen 14 Jahre lang geprägt, sie 2018 zum WM-Titel und 2022 ins Finale geführt. Nun soll Zidane die nächste Generation anführen. Neben Mbappé gehören unter anderem Ousmane Dembélé, Michael Olise und Upamecano zum Kader.
Zidane gewann als Trainer dreimal die Champions League
Der neue Teamchef bringt dabei nicht nur seinen Namen, sondern auch eine bemerkenswerte Trainerbilanz mit. Nach seinem Karriereende 2006 arbeitete Zidane zunächst bei Real Madrid in verschiedenen Funktionen. Als Cheftrainer führte er die Königlichen zwischen 2016 und 2018 dreimal in Folge zum Champions-League-Triumph. Dazu kommen zwei spanische Meistertitel.
Seit seinem Abschied von Real Madrid 2021 hatte Zidane keinen Klub mehr trainiert. Angebote habe es gegeben, sagte er. Er habe sie jedoch abgelehnt – mit einem bestimmten Ziel: „Für mich ist die Équipe de France das Einzige, das ich nach meiner Karriere übernehmen wollte.“
Nun ist dieser Wunsch Realität. Und Zidane betritt ein Umfeld, das er selbst als Spieler entscheidend geprägt hat. 1998 wurde er mit Frankreich Weltmeister, zwei Jahre später Europameister. Damals war er der kreative Gegenpol zum Arbeiter Didier Deschamps, der neben ihm im Mittelfeld spielte und später als Teamchef selbst eine Ära prägte. Zidane stand für Technik und Improvisation, Deschamps für Ordnung und Disziplin.
Zidane kann es immer noch
Wie viel von dieser unterschiedlichen Fußball-DNA Zidane als Trainer einbringen wird, ist eine der spannendsten Fragen seiner Amtszeit. Klar ist nur: Die Erwartungen sind hoch. Nicht zuletzt, weil Zidane seit seinem Ende als Spieler mit einer Aura lebt, die selbst seine Trainingsarbeit begleitet. Französische Medien staunten nach den ersten Einheiten über seine noch immer präzisen Pässe. Der Magier ist zurück.
Der Auftakt erfolgt am Freitag in Kocaeli gegen die Türkei in der Nations League. Danach geht es gegen Belgien, ehe am 2. Oktober im Stade de France das erste Heimspiel auf dem Programm steht. Gegner ist Italien – jenes Land, das mit Zidanes letztem Länderspiel besonders eng verbunden ist.
Der Kopfstoß von Berlin
Es war der 9. Juli 2006. Frankreich und Italien spielten in Berlin um den WM-Titel. Für Zidane sollte es das letzte Spiel seiner Karriere werden.
Zunächst schien alles nach einem würdigen Abschied auszusehen. Zidane brachte Frankreich per Elfmeter in Führung. Doch in der Verlängerung kam es zum Eklat. Nach einem Wortgefecht mit Marco Materazzi drehte sich Zidane um, lief auf den Italiener …read more
Source:: Kurier.at – Sport



