Zum Tod von Ted Turner: Er machte alle zu Zeugen der Geschichte

Kultur

Was haben der Wrestling-Manager Jimmy Hart und Ted Turner gemeinsam? Beide wurden „Mouth of the South“ genannt. Eine Bezeichnung für Leute aus dem Süden der USA, die das Herz auf der Zunge tragen. Turner wurde mit diesem Stil zu einem der wichtigsten Pioniere des Nachrichtenwesens.

Seine Rolle war von Anfang an die des begnadeten Vermarkters. Aufgewachsen in Savannah, Georgia, übernahm er nach Abschluss seines Studiums die Werbefirma des Vaters, der sich 1963 das Leben genommen hatte. Bereits als 25-Jähriger zeigte er bei der Turner Advertising Company sein Talent. Im Jahr 1970 startete er das Unternehmen Turner Broadcasting System (TBS) und erkannte früh die Möglichkeiten des Kabelfernsehens. Ende der 1980er stieg er auch ins Wrestlinggeschäft ein. Der eingangs erwähnte Jimmy Hart arbeitete für Turners Wrestlingverband WCW.

Turner hatte bereits zehn Jahre zuvor mit der Gründung von Cable News Network (CNN) den Grundstein für seine weltweite Bekanntheit gelegt. Am 1. Juni 1980 ging in Atlanta, Georgia, der weltweit erste reine Nachrichtensender auf Sendung. News sollten fortan auch unterhaltsam sein. Mit „Breaking News“ in Echtzeit baute CNN Spannung aufund perfektionierte den raschen Liveeinstieg, dazu kamen legendäre Talkformate wie „Larry King Live“.

Himmel über Bagdad

Im Jahr 1990 erlangte der Sender weltweit Beachtung mit seinen Livebildern vom Golfkrieg. Peter Arnett war zeitweise der einzige verbliebene Reporter in Bagdad. Als die Operation „Desert Storm“ startete, zeigte CNN per Nachtsichtkamera flirrende Lichter über Bagdad und Satellitenbilder von einschlagenden Raketen – es waren nie gesehene Bilder vom Krieg. Arnett stand auf dem Dach des Hotels Rashid und sagte: „Der Himmel über Bagdad ist erleuchtet.“ Das Time Magazine wählte Turner zur „Person des Jahres“, er habe die Zuschauer zu „unmittelbaren Zeugen der Geschichte gemacht“.

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Eine zünftige Rivalität verband ihn mit Rupert Murdoch. Der Australier gründete 1997 Fox News als konservativen Gegenpol zum progressiv-liberalen CNN. Turner forderte ihn zum Boxkampf heraus. Murdochs New York Post fragte, ob er verrückt geworden sei. Als Verrücktheit könnte man abtun, dass man Turner morgens im Bademantel durch die Bürogänge gehen sah. Turner pflegte auch damit sein Image des arbeitswütigen Machers. Er habe die ersten zehn Jahre von CNN auf einer Couch im Büro gelebt, behauptete er.

Gepflegt hat er auch seinen Schnauzbart, der ihn wie einen Edel-Westernhelden aussehen ließ. Tatsächlich bewohnte er – als zweitgrößter Landbesitzer der USA – eine Ranch in Montana, sein philantropisches Interesse galt nicht nur der UNO, der er eine Milliarde US-Dollar zuerkannte, sondern auch dem Schutz der Bisons. Er besaß ein Baseball- und ein Basketball-Team und gewann 1977 als Segel-Skipper den America’s Cup.

1995 fusionierte er sein Fernsehimperium mit Time Warner und wurde Vizepräsident der Kabelsparte. Die Fusion mit AOL führte infolge des Platzens der DotCom-Blase zu Turners größter Niederlage. Anfang 2003 trat Turner zurück und verbrachte immer mehr Zeit auf seiner Ranch.

Am Mittwoch ist Ted Turner 87-jährig gestorben. Donald Trump nannte ihn „einen der Großartigsten der Geschichte“, teilte aber in Richtung CNN aus, das heute zu „woke“ sei. Der Sender selbst würdigte Turner als „Pionier des Kabelfernsehens“. Und das natürlich live – und rund um die Uhr.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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