Anwältin: „Habe meinen Mandanten nicht verraten, dass ich ein Baby habe“

Wirtschaft

Sobald es an die Familienplanung geht, hängen viele ausgebildete Anwältinnen ihren Job an den Nagel. Sie wechseln in Unternehmen, ins Richteramt oder in eine ganz andere Branche. Die Wiener Anwältin und Zweifach-Mutter Valentina Philadelphy-Steiner wollte das nicht akzeptieren. Sie blieb im Job, aber änderte die Arbeitsweise. Für sich, für andere Mütter – und für die Väter.

KURIER: Der Anwaltsjob war nicht familienfreundlich, also haben Sie nach der Geburt Ihres ersten Kindes eine eigene Kanzlei eröffnet, um das zu ändern. Wie genau?

Valentina Philadelphy-Steiner: Grundsätzlich ist die Frage zur Vereinbarkeit Beruf und Familie eine schwierige, weil vereinbar sind diese beiden Dinge wirklich nur sehr schwierig oder gar nicht. Gerade in der Anwaltei gibt es gewisse Rahmenbedingungen, die einfach fixiert sind, wie Fristen oder Gerichtstermine. Speziell im Familienrecht, in dem Bereich, in dem ich tätig bin, ist immer alles wahnsinnig dringend. Die Herausforderung ist, ein System zu bauen, in dem all diese fix vorgegebenen Parameter eingehalten werden.

Sie sind mit zwei Mitarbeiterinnen gestartet – beide direkt schwanger. Der Albtraum einer Unternehmerin?

Ich muss immer mit Schmunzeln zurückdenken, weil das ist offenbar die Aufgabe meines Lebens, es besser zu machen. Meine Konzipientin und Sekretärin waren innerhalb von einem Monat beide schwanger. Ja, das war wirtschaftlich herausfordernd, ich musste dann nämlich noch einen Konzipienten und Sekretärin anstellen, aber ich hatte den Rückhalt von meiner Familie, vor allem meinem Mann.

Heute beschäftigen Sie ausschließlich Frauen – wie sehen die Strukturen konkret aus, um den Job familienfreundlicher zu gestalten? 

  Michael Höllerer übergibt Taktstock an Martin Hauer

Es ist nie eine Kollegin alleine auf einem Akt, sondern mindestens zwei. Das ist ein gewisser Zusatzaufwand, den wir intern in der Kanzlei tragen, aber damit besteht die Möglichkeit, wenn jemand ausfällt oder das Kind krank wird, dass Fristen gewahrt werden. Für unsere Mandanten ist das ein Plus, weil sie mehr Leute haben, die für sie erreichbar sind. Ein ganz wichtiger Punkt ist auch, dass Besprechungen familienfreundlich anberaumt werden. Ich weiß, nach dem Mittagessen, um 15 oder 16 Uhr müssen Kinder abgeholt werden. Abendtermine, wo bereits die Abendroutine der Kinder beginnt, sind einfach unrealistisch. Eine Kollegin geht zum Beispiel regelmäßig um 13 Uhr, weil sie die Kinder abholt und etwas unternimmt. Dann bringt sie sie ins Bett, um 20 Uhr meldet sie sich, macht den Schriftsatz fertig und schickt ihn raus.

Als Mutter kann man es gesellschaftlich sowieso nicht richtig machen – egal ob man gar nicht, Teilzeit oder Vollzeit arbeitet. Wie ist Ihr Blick darauf als Zweifach-Mutter? 

Wie meine erste Tochter auf die Welt gekommen ist, habe ich mich nicht getraut, den Mandanten zu sagen, dass ich ein Baby habe. Wenn jemand angerufen hat, war ich schweißgebadet, habe meine Mutter oder meinen Mann gebeten, schnell das Baby zu nehmen. Bei meiner zweiten Tochter habe ich das ganz anders gemacht. Ich habe meinen Mandanten von Anfang an gesagt, dass ich schwanger bin. Sie wussten sogar, wann das Kind auf die Welt kommt. Die Resonanz von meinen Mandanten war total positiv, das Verständnis ist da, aber das habe ich selber erst für mich lernen und das Selbstbewusstsein aufbauen müssen.

  Budgetpaket lässt Ein-Personen-Firmen "im Regen stehen"

Welchen rechtlichen Rat geben Sie Frauen vor der …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 3 times, 3 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.