Soziale Berufe in Österreich: Diese Faktoren machen sie plötzlich attraktiv

Wirtschaft

Spricht man über Jugend und soziale Berufe, denkt Elke Schmiderer sofort an die Pflege-Lehre. Sie ist Geschäftsführerin des Hilfswerks Salzburg und kümmert sich dort unter anderem um das neue Lehrangebot: „Die Lehre zur Pflegeassistenz bzw. Pflegefachassistenz ist ein wunderbarer Einstieg für junge Menschen, die vielleicht nicht die Matura haben und in keine weiterführende Schule gehen, aber trotzdem in den Bereich Pflege starten wollen.“

Das Angebot nehmen die Jungen ihrer Erfahrung nach gerne an. Generell sei das Interesse junger Menschen an Jobs im Sozial- und Pflegebereich in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das berichten auch weitere Stimmen aus der Branche.

Soziale Berufe als Traumjob der Jugend?

„Wir bekommen extrem viele Bewerbungen“, berichtet Sigrid Pöcksteiner, Recruiting-Leiterin der Caritas der Erzdiözese Wien. Beschweren will sie sich aber nicht, immerhin werden viele Leute gebraucht. Was ihr dabei auffällt: Es interessieren sich auch besonders viele junge Bewerber für die Branche. „Wir sehen ganz klar, dass junge Menschen ihre Erwartungen verändert haben. Sie stellen sich die Frage: Wofür mache ich das?“, erklärt sie. Eine Frage, die im sozialen Bereich leicht zu beantworten ist. „Man ist Teil der Lösungen. Außerdem sieht und erlebt man die Wirkung der eigenen Arbeit direkt. Das finden gerade junge Menschen in einer Zeit, die von vielen als herausfordernd oder unsicher empfunden wird, sehr interessant.“

Was in Krisenzeiten ebenfalls an Bedeutung gewinnt, ist die Arbeitsplatzsicherheit. Dieser Effekt wird durch Künstliche Intelligenz verstärkt. Die Sorge, dass KI bestimmte Jobs übernehmen könnte, ist vor allem bei jungen Menschen stark verbreitet, wie Studien zeigen. Hier kann Pöcksteiner Entwarnung geben: „Jobs im sozialen Bereich können nicht von Robotern gemacht werden. Im Zeitalter der KI lässt sich zwar vieles automatisieren, aber nicht die Menschlichkeit.“ 

  Fast zwei Drittel der Online-Einkäufe werden abgebrochen

Nicht alle in der Branche sehen das Sicherheitsbedürfnis allerdings als Hauptgrund für das Interesse. Einer davon ist Josef Bakic, Studiengangsleiter Soziale Arbeit an der Hochschule Campus Wien. Den regen Zulauf an FH-Bewerbern erklärt er sich anders.

Die Vielfalt des sozialen Bereichs lockt an

Aktuell laufen an der Hochschule in Wien-Favoriten die Aufnahmeverfahren. „Wir haben heuer wieder tausend Interessentinnen und Interessenten.“ Dem stehen jedoch nur 120 Plätze für ein Vollzeitstudium und 66 für ein berufsbegleitendes Studium gegenüber. „Wir haben einen ungebrochenen Zulauf, in der Regel sind es dreieinhalb bis fünfeinhalb Bewerbungen pro Studienplatz. Wir stehen vor der Qual der Wahl.“

Den Grund für das große Interesse am Studium verortet Bakic zum einen darin, dass es in manchen Bereichen der Sozialen Arbeit einen akuten Personalnotstand gibt. Für Absolventinnen und Absolventen sei es entsprechend einfach, in den Arbeitsmarkt einzusteigen. „Es entlastet unsere Studierenden, wenn sie wissen, dass sie in ein Berufsfeld gehen, in dem es hochattraktive Angebote gibt“, sagt er.

Zum anderen würden die Flexibilität und die Vielfalt der Jobs junge Menschen anlocken. „Man wird nicht auf einen bestimmten Einsatzbereich festgeschrieben und kann sich in viele Richtungen weiterentwickeln“, fasst der Studiengangsleiter zusammen. Und Richtungen gibt es mehr als genug. Sie reichen von Justizanstalten und Bewährungshilfe über die Begleitung im psychiatrischen Bereich bis hin zum Bildungsbereich, etwa in der Schulsozialarbeit. Auch Tätigkeiten im öffentlichen Raum gehören dazu.

Laut Elke Schmiderer vom Hilfswerk spiele die Sinnsuche hier ebenfalls eine …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.