
Philosophisch betrachtet, sind Werte das angestrebte Gute. Etwas, wo wir entscheiden: Da stehen wir dahinter. Doch um Werte wirklich vertreten zu können, braucht es Tugenden, sagt die österreichische Philosophin Lisz Hirn. „Sie sind das charakterliche Handwerkszeug. Durch sie bin ich tauglich, etwas zu tun.“ In anderen Worten: Werte sind das Ziel, Tugenden sind der Weg dorthin.
Doch welche Tugenden braucht es, in einer Zeit, die sich schneller zu drehen scheint, denn je? Welche Werte haben Bestand und was ist eigentlich wirklich wertvoll – im materiellen Sinn? Diese Fragen standen im Zentrum des KURIER Female Empowerment Events, das diese Woche zum fünften Mal stattgefunden hat.
Tugenden für die Haltung
In der Antike gab es vier Kardinaltugenden – Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Das mag altmodisch klingen, weiß Lisz Hirn, doch ohne Tugenden würde alles scheitern. „Sie bilden das Fundament für ein verantwortungsvolles Leben“, sagt sie. Für die Philosophin sind Besonnenheit, Umsicht, Mitgefühl, Selbstbeherrschung und Wagemut wertvolle Tugenden, die für unsere Zeit wesentlich sind. „Viele im Geschäftsleben glauben, dass man gut ohne Tugenden auskommen kann“, sagt Hirn und ergänzt: „Man irrt sich.“
Wer glaubwürdig sein will, müsse eine Haltung vertreten. „Haltung heißt, verschiedene Werte haben und nach außen repräsentieren“, so die Philosophin. Haltungen würden zwar immer angreifbar und verletzlich machen. „Im besten Fall macht Sie aber die eigene Haltung zu einem Vorbild“, so Hirn.
Gefährlich ist es, eine Haltung nur vorzutäuschen. „Das ist der moralische Anstrich mit White-, Pink- oder Greenwashing – das ist weit weg von gelebten Werten“, mahnt die Philosophin. „Der Verlust von Glaubwürdigkeit wiegt schwer in der Öffentlichkeit“, sagt sie. Denn wenn das Umfeld, Kunden oder Mitarbeiter nicht mehr an einen glauben, verliere man nicht nur immaterielle Werte, sondern auch Geld.
Was wirklich wertvoll ist
„Wir haben doch alle einen Wertekatalog in uns, wir wissen, was richtig und was falsch ist“, meint die Finanzexpertin und Podiumsteilnehmerin Monika Rosen. Ob Werte in anspruchsvollen Phasen an Bedeutung verlieren, bezweifelt sie und auch die anderen Gesprächsteilnehmer stimmen zu. „Ich bin ein großer Fan vom eigenen Einflussbereich“, sagt etwa Leadership-Expertin und Coachin Maren Wölfl. „Auch wenn andere ein Verhalten zeigen, das nicht meinem Wertekonstrukt entspricht, werde ich meinen Kindern immer beibringen, worauf ich wert lege.“ In ihrer Arbeit mit Führungskräften pocht Wölfl darauf, auf Empathie, Augenhöhe, Kollaboration und Fürsorge mehr Wert zu legen. Doch genau diese Kompetenzen kämen aktuell zu kurz.
„Meine Wahrnehmung ist, dass in vielen börsennotierten Unternehmen alles der Wertsteigerung untergeordnet wird. Hauptsache, man macht Gewinn“, kritisiert Wölfl und Börsenexpertin Monika Rosen kontert: „Die Wertsteigerung, der unternehmerische Erfolg, ist schon was die Menschen bei der Geldanlage sehen wollen. Sonst kann man spenden“, formuliert sie es spitz. „Dass das manchmal kritisch gesehen wird, weiß ich, aber man sollte es nicht verdammen.“
Denn Geld – hier sind sich die Podiumsgäste einig – wäre per se nichts Schlechtes, auch wenn in der Philosophie bis heute ein Kampf zu dem Thema tobt. Geld könne dabei helfen, für Werte einzustehen, „weil es für Dinge wie Gerechtigkeit eine entscheidende Rolle einnimmt“, sagt Philosophin Lisz Hirn. Doch wie lässt sich Geld verlässlich aufbauen und wie verliert …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



