ImPulsTanz: Der Tanz als Traum von der Vereinigung der beiden Koreas

Kultur

Von Silvia Kargl

Schon ihr ImPulsTanz-Debüt „Post-Orientalist Express“ vor wenigen Tagen sorgte für Aufsehen. Das Gastspiel der südkoreanischen Choreografin und Tänzerin Eun-Me Ahn zählt zu den Höhepunkten des diesjährigen Festivals.

Auch das zweite Stück, „North Korea Dance“, wurde im Volkstheater vom Publikum mit Ovationen gefeiert. Wieder beginnt die Aufführung mit Videoprojektionen, diesmal von nordkoreanischen Tänzen, die Eun-Me Ahn für ihr 2018 entstandenes Stück im Internet gefunden hat. Nach der Trennung der beiden Staaten 1945 schien 2018 eine politische Annäherung möglich. Die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. In „North Korea Dance“ zeigt Eun-Me Ahn Nordkorea von einer anderen Seite als von den bekannten Aufnahmen mit Diktator Kim Jong-un, oft umgeben von der Inszenierung jubelnder Menschenmassen und von Militärparaden.

Ahns Weg führte zu einer schwierigen Suche nach Tanzformen Nordkoreas abseits von Propagandaballetten. Jegliche Kontakte zwischen Menschen beider Länder sind unmöglich.

Dabei begibt sie sich mit der ersten Tanzszene auf ein ästhetisch heikles Terrain, zeigt sie doch genau das Nordkorea des Militarismus in exakten Stechschritten. Allein, wie sie innerhalb von Minuten dieses irritierende Bild mittels goldener Kostüme und poppiger Farben in Verbindung mit choreografischen Brüchen zurechtrückt, ist eine Meisterleistung.

Sowohl Fächertänze als auch Tänze, die Zweikämpfe stilisiert aufgreifen, waren in der Kultur beider Koreas verwurzelt. Nun erfahren sie eine zeitgemäße neue Interpretation: Die fabelhaften acht Tänzerinnen und Tänzer haben aus den alten Videos und dem wenig verfügbaren Material aus Nordkorea eine eigene Tanzsprache entwickelt.

Akrobatische Einlagen

Die Rolle der Bewegung wird bei den Kriegstänzen im Vergleich mit der Tradition der historisierenden Darstellung, die die Gesichter hinter Masken verbirgt, bei Eun-Me Ahn aufgewertet. Bei den Fächertänzen genügt allein die knallige Farbe der Requisiten, um sie in ein neues Licht zu rücken. Dazu kommen akrobatische Einlagen und ein Solo von Eun-Me Ahn, das an alte rituelle Tänze erinnert.

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Sie öffnet einen Raum für große koreanische Kunst, darunter für Soon A-Parks Spiel auf dem Gayageum. Selten bietet sich die Gelegenheit, diese berühmte koreanische Wölbbrettzither live zu hören. Die Solistin kniet hinter dem Instrument und zupft die Saiten mit ihren Fingern. Der dunkle Klang stellt einen meditativen Ruhepol zum kraftvollen Tanz dar.

Am Ende ist „North Korea Dance“ – noch heute, Mittwoch – ein großartiges Plädoyer für die Bewahrung von Kunstformen eines mittlerweile isolierten und diktatorisch regierten Landes.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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