
Es war ein beängstigender Anblick für jene, die Samstagfrüh die Fähre in Dover erwischen wollten. Hunderte Männer, von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet, viele mit Sturmhauben über dem Kopf, blockierten die Straßen rund um den südenglischen Hafen. Lautstark wurde dabei „Stop the Boats!“ oder „Schande über euch!“ skandiert.
Proteste ist die Stadt Dover mittlerweile gewöhnt. Als erster englischer Landzipfel, den man von Frankreich aus erreichen kann, ist er jene Stelle, an der Asylwerber in kleinen Schlauchbooten besonders häufig ankommen.
Doch während Demonstrationen zuletzt stets angekündigt waren, traf dieser Protest die Exekutive überraschend. Auch wenn es zu keinen Gewalttaten gegenüber Zivilisten gekommen sein dürfte: Eingeschüchtert waren viele Personen, die in Dover unterwegs waren – Touristen, Hafenarbeiter oder Pendler – am Samstag dennoch. Kilometerweit reichte zudem der Stau zurück, bis es der Polizei am späten Vormittag gelang, die Demonstranten zum Bahnhof von Dover zu geleiten und nach Hause zu schicken.
Neue Anlegestelle
Doch keine 48 Stunden später brach der nächste Protest aus. Ein Schlauchboot mit 140 Asylwerbern hatte Sonntagabend erstmals die Küste von Hampshire, gut drei Stunden westlich von Dover, anvisiert. Hunderte Demonstranten, über Social Media informiert und häufig wieder maskiert, fanden sich daraufhin am Eastney Beach in Portsmouth ein und versuchten, die einzige Straße, die von der Halbinsel führte, zu blockieren. Sie wollten die Busse, die Asylwerber ins Anhaltezentrum bringen sollten, von Abfahren abhalten. Erst gegen drei Uhr früh konnte die Polizei den Protest auflösen.
Drahtzieher beider Aktionen war der Brite Daniel Thomas. Der 37-Jährige, der vor zehn Jahren wegen versuchter Entführung verurteilt wurde, ist ein Vertrauter des Rechtsradikalen Tommy Robinson. Im Juni hatte Thomas die „Patriot Platform“ gegründet, um „unsere Grenzen zurückzugewinnen, die Ordnung wiederherzustellen und eine klare Botschaft zu senden: Großbritannien gehört den Briten“.
Eigentlich ist die Zahl der Asylwerber, die auf illegalem Weg nach Großbritannien kommen, dieses Jahr um 43 Prozent geringer als im Vergleichszeitraum 2025. Im Sommer gab es zudem die wenigsten Überquerungen seit 2020. Und erst vergangene Woche haben sich der britische Premier Andy Burnham und der französische Präsident Emmanuel Macron auf verstärkte Zusammenarbeit in Grenzthemen verständigt.
Doch die Wut rechter, migrationsfeindlicher Gruppierungen steigt dennoch. „Restore UK“, die rechtsradikale Abspaltung der populistischen Reform-UK-Partei, hat in den jüngsten Monaten so viel Unterstützer gefunden, dass sie der gebeutelten Reform-Partei zur Bedrohung werden könnte. Und Daniel Thomas hat bereits angekündigt, dass weitere Proteste der „Patriots“ folgen werden.
Source:: Kurier.at – Politik



