
René Benko hat sich 2013 offiziell aus der Geschäftsführung der Signa Holding (SiHo) zurückgezogen. Doch ein brisanter Aktenvermerk des Bayerischen Landeskriminalamts legt nahe: Der Immobilien-Tycoon führte das Unternehmen faktisch weiter – und kassierte dafür zwischen 2017 und 2021 Prämien von insgesamt 64,18 Millionen Euro brutto.
Das 106-seitige Dokument der Münchner Ermittler vom 20. August 2026 zeichnet das Bild eines Mannes, der trotz formalen Rückzugs aus der Geschäftsführung die Fäden im Signa-Konzern als Beiratsvorsitzender fest in der Hand hielt. „Die Weiterbezahlung von René Benko auf Grundlage des Geschäftsführer-Dienstvertrags ohne Anpassung an den neuen Aufgabenbereich (Anm.: als Beiratsvorsitzender) bestätigt den bestehenden Verdacht, dass René Benko faktisch weiter als Geschäftsführer der SiHo GmbH tätig war und dementsprechend entlohnt wurde“, heißt es in dem Aktenvermerk. Als Beiratsvorsitzender sollte er eigentlich nur als „Berater“ fungieren.
Fakt ist: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt unter der Geschäftszahl 399 Js 211851/23 seit 2023 gegen Benko und weitere Verantwortliche der Signa-Gruppe wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs. Dem Vernehmen nach werden alle Vorwürfe bestritten.
Vertrag mit sich selbst?
Dabei fielen den Ermittler zahlreiche Unstimmigkeiten auf: Benkos erster Geschäftsführervertrag von Dezember 2009, obwohl er schon seit 2003 Geschäftsführer war, trägt zweimal dieselbe Unterschrift. „Es scheint sich bei den Unterschriften der Dienstnehmer- und Dienstgeberseite augenscheinlich um die Unterschrift derselben Person zu handeln“, schreiben die Ermittler. „Es könnte sich dabei um ein In-sich-Geschäft handeln, das René Benko als Vertreter der SiHo GmbH mit sich selbst als Dienstnehmer geschlossen hat.“ Dieser Vertrag sah bereits ein Bruttogehalt von 784.000 Euro jährlich vor – plus eine Prämie von 2,5 Prozent des Ergebnisses vor Steuern der Signa Holding. Dazu kamen außergewöhnliche Privilegien: Dienstreisen per Business- oder Privatjet, zehn Wochen Urlaub, zwei Dienstwagen mit Chauffeuren und eine Klausel, wonach seine Kinder im Todesfall ein Jahr lang weiter sein Gehalt erhalten würden.
Chefsessel des Beirats
Als Benko 2013 wegen einer Verurteilung in den Chefsessel des Beirats wechselte, wurden diese Vertragskonditionen nicht angepasst – im Gegenteil. Der erst im November 2021 schriftlich fixierte Dienstvertrag als Beiratsvorsitzender, den SiHo-Geschäftsführer Marcus Mühlberger unterschrieben hat, übernahm die Bedingungen des Geschäftsführervertrags und verbesserte sie sogar noch. Das monatliche Bruttogehalt stieg auf 60.480,80 Euro bzw. jährlich 846.731,20 Euro.
Neu hinzu kamen: Ein Anspruch auf Sicherheitspersonal, eine Dienstwohnung am Wiener Fleischmarkt und die Miete der Villa N in Igls (unter Anrechnung eines Privatanteils von 80 Prozent). Die 2,5-Prozent-Prämie blieb bestehen. Von 2017 bis 2021 kassierte Benko 64,18 Millionen Euro an Prämien. Aus den eMails geht laut LKA außerdem hervor, dass Benko auch über die Höhe von Akontozahlungen auf die Prämien entschied.
Zusätzlich noch Konsulentenhonorar kassiert
„Eine Anpassung der Dienstverträge zum Wechsel von René Benko von der Geschäftsführung in den Beirat der SiHo GmbH im Juni 2013 erfolgte nicht“, stellen die Ermittler fest. „René Benko wurde demnach als Beiratsvorsitzender der SiHo GmbH weiterhin angestellt und entlohnt wie im Geschäftsführervertrag der SiHo GmbH im Dezember 2009 – augenscheinlich mit sich selbst – vereinbart.“ Indes halten die deutschen Ermittler fest, dass für Mitglieder des SiHo-Beirats „ein Dienstverhältnis explizit ausgeschlossen war“- im Gegensatz zu Benko als Beiratsvorsitzenden.
Außerdem erhielten die anderen Beiratsmitglieder lediglich jährliche Pauschalen zwischen 15.000 …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



