Elke Winkens und Barbara Wussow über das Unsichtbarsein

Kultur

Dankesreden bei Filmpreisen sind meist einstudiert und folgen einem gleichförmigen Schema. Beides war nicht der Fall bei Elke Winkens, als sie heuer für ihre Rolle in „How to be Normal and the Oddness of the Other World“ mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Da machte sie darauf aufmerksam, dass sie „jahrelang nicht gesehen wurde“.

Im Gespräch mit freizeit-Chefredakteurin Marlene Auer auf der Bühne des Zeremoniensaals der Wiener Hofburg erinnerte sich Winkens an den Moment: „Ich habe da wirklich aus dem Bauch heraus gesprochen und offensichtlich ist mir da ein Schmerz hochgekommen, der eigentlich gar nicht vorgesehen war. Immerhin hatte ich den Preis in der Hand.“ Mit Anfang 40 seien die Rollenangebote weniger geworden. Das habe sich mehr als ein Jahrzehnt nicht gebessert.

Sie habe den Übergang von der „jugendlichen Liebhaberin“ zur ernsthaften Schauspielerin nicht rechtzeitig geschafft, meint Winkens. Außerdem sei ihr gesagt worden, sie sei ein Seriengesicht – „wenn jemand zu sehr weiß, was er tut“, erklärt die Schauspielerin – geworden. Weil sie wissen wollte, ob sie ihre „Unsichtbarkeit“ selbst verschuldet hat – etwa, „weil ich zu zickig war, weil das war ich auch zum Teil“ – fragte sie eine Casterin. Die versicherte ihr, dass kein Fehlverhalten das Problem sei, sie sei eben gerade nicht „in“.

Kein Zufall

Dass gute Rollen für Frauen fehlen, ist kein Zufall, erzählte Winkens: „Die Schauspielerin Konstanze Breitebner schreibt auch Drehbücher. Sie hat erzählt, dass sehr oft von ihr als Frauen vorgesehene Rollen im Film dann von Männern gespielt werden.“ Wer das entscheidet? „Sicher nicht das Publikum!“, betonte Winkens energisch.

  ROMY-Nominierungen 2026: Von Winkens bis Spiegelfeld, von Naschenweng bis Seydoux

Sie hat ihre unfreiwillige Pause dafür genützt, viel Schauspielunterricht zu nehmen. „Wir haben Zwiebelschale für Zwiebelschale die Seriendarstellerin runtergeräumt, bis wir an diesen grünen empfindlichen Zweig gekommen sind, das echte, wahre Spiel – das dann nämlich kein Spiel mehr ist“. Dafür hat sie nicht nur den Österreichischen Filmpreis bekommen, es könnte auch noch eine KURIER Romy dazukommen, für die ist Winkens nämlich nominiert.

Leidenschaftlich

Auch der zweite Gast von Marlene Auer bei freizeit.live am Samstag, Schauspielerin Barbara Wussow, kennt die Situation, vom österreichischen Filmwesen ignoriert zu werden. „Ich würde wahnsinnig gerne mal in Österreich drehen. Es ist sehr, sehr traurig für mich, das muss ich ehrlich sagen. Ich bin leidenschaftliche Österreicherin und Wienerin, hier zahle ich auch meine Steuern, aber seit meinem Josefstadt-Engagement, das im Jahre 1983 war – danach noch ,Die Leute von St. Benedikt’ mit meinem Mann, ein bisschen ,Schlosshotel Orth, ,Liebe, Lüge, Leidenschaft’ – kommt kein Ruf mehr. Ich habe keine Ahnung, warum.“

Momentan hätte Wussow aber ohnehin nicht wirklich Zeit. Ist sie doch immer die Hälfte eines Jahres mit dem „Traumschiff“ unterwegs, und zwar seit bald zehn Jahren. Diese Arbeit, die eine kleine Realitätsflucht aus unserer „gruseligen Zeit“ bietet, empfindet Wussow für sich selbst als „großes Geschenk“ und es wird auch vom Publikum entsprechend dankbar angenommen. Seit Florian Silbereisen als Kapitän angeheuert hat – was manche kritische Stimme hervorgebracht hat, weil er kein „Berufsschauspieler““ ist – würden, so Wussow, auch immer mehr jüngere Zuseher einschalten (also Unter-45-Jährige).

Man kann übrigens auch als Privatperson auf dem „Traumschiff“ einchecken. Da kann es …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.