Die Toten Hosen in Wien: Triumphaler, nostalgischer Abschied

Kultur

„Es gibt für uns kein besseres Auswärtsspiel als Wien!“ Toten-Hosen-Sänger Campino wird den 55.000 Fans, die Samstagabend in das ausverkaufte Ernst-Happel-Stadion gepilgert sind, um das vom KURIER präsentierte Wien-Konzert ihrer Idole zu sehen, später erzählen, warum die Düsseldorfer die Donau-Metropole so ins Herz geschlossen haben. Aber jetzt in der Anfangsphase des zweieinhalbstündigen Konzertes wird erst einmal munter losgerockt: Nach „Opel Gang“ und „Die Show muss weitergehen“ vom letzten Studio-Album „Trink aus! Wir müssen gehen“ kommt mit dem Fan-Favoriten „Auswärtsspiel“ das erste Highlight.

Und schon ist sie wieder da, diese Hosen-Magie, die seit so vielen Jahren verzaubert: Da kommt eine Energie von der Bühne, die unwiderstehlich ist. Sie kommt nicht von den lauten Gitarren oder von der Schnelligkeit, mit der Campino, die Gitarristen Breiti und Kuddel, Bassist Andi und Drummer Vom loslegen. Sie kommt von der kompromisslosen Hingabe und Leidenschaft, mit der sich die Toten Hosen auch nach 44 Karriere-Jahren immer noch in jeden Ton werfen. Und die bewirkt das, was Campino im KURIER-Interview als generelles Ziel aller ihrer Auftritte nannte: „Im besten Fall ist es eine Party, die wir zusammen feiern“. 

Hosen-Party geht für das Publikum so: Alle Hemmungen fallen lassen, mitsingen, was die Stimme hergibt, und immer wieder nicht nur auf die Bühne, sondern in die Runde schauen, die Nachbarn im Wavebreaker angrinsen und ansingen, weil es so schön ist, zu sehen, dass sie gerade genauso glücklich sind, wie man selbst.

Heute ist dieses erhebende Gemeinschaftserlebnis irgendwie noch ein bisschen intensiver, heute ist jeder noch fester entschlossen, jede Sekunde zu genießen, denn es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das letzte Wien-Konzert der Toten Hosen. Sie wollen aufhören, solange sie diese zwingende Energie noch liefern können, hat Campino bei Veröffentlichung von „Trink aus! Wir müssen gehen“ erklärt. Angesichts der vielen „letzten“ Tourneen von diversen Superstars, die dann doch nicht aufhören, wurde im Vorfeld bezweifelt, dass nach dieser Tour und dem Stopp am 23. Juni 2027 in Graz wirklich Schluss ist. 

  Favoriten des Filmfestivals in Venedig: Am Ende ein bisschen Licht

Doch Campino lässt im Ernst-Happel-Stadion diesbezüglich wenig Hoffnung zu. „Ich will ja nicht zu wehmütig sein“, sagt er und klingt dann doch so, wenn er erklärt, dass das das 39. Wien-Konzert ist, und sich für die vielen Abenteuer bedankt, die die Toten Hosen hier erleben durften – sei es bei Wohnzimmer-Konzerten bei Fans, bei Shows im Chelsea, im U4 oder in der Kurhalle Oberlaa, wo Fans die Straßenbahn angezündet haben. Am Vormittag, plaudert er weiter, sei er durch die Innenstadt gebummelt. In der Peterskirche hat er unter dem Kuppelfresko drei Kerzen angezündet. Eine für seine Familie, dass es ihr gut geht, eine für die Tour, deren erster Teil hier in Wien zu Ende geht, und eine für Wien. 

Politisch wird Campino vor „Was ist mit uns los“. Er weist auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt hin, darauf, wie der Rechtsruck schon so viele Länder in Europa erfasst hat, und wie die Rechtsextremisten in den Sozialen Medien verbreiten, dass Punk-Bands sich nicht politisch äußern sollten. Aber: „Wer auf einem Tote-Hosen-Konzert ist, ist auf einem Anti-Nazi-Konzert, das ist klar – seit 1982!“

Auch die Songauswahl wirkt nostalgisch, bietet …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.