
„Was genau ist eine Demonstration?“ Die Frage steht jetzt einfach mal so im Raum, die Schüler wirken irgendwie unschlüssig. Die Kuratorin muss ein wenig helfen. „Es hat etwas mit vielen Menschen zu tun.“ Irgendwann macht es klick, und man findet gemeinsam die Antwort: „Eine Versammlung, deren Teilnehmer öffentlich eine Meinung vertreten und sagen, wofür sie sind.“
Die Schüler einer Wiener NMS lernen an diesem Freitag in den Räumen der Stiftung Forum Verfassung spielerisch, wozu man eine Verfassung braucht, was Grundrechte sind – und was genau der Verfassungsgerichtshof (VfGH) so macht.
Multi-Kulti
Die Location, in der Workshops angeboten werden, ist erwähnenswert. Denn die Stiftung hat sich nicht in einem prunkvollen Wiener Innenstadt-Palais eingemietet, sondern in der Ottakringer Brunnenpassage, also im multikulturellen Brunnenmarkt. Die Idee dahinter: Man will maximal niederschwellig agieren, Grundrechte und Verfassung sollen möglichst allen zugänglich sein.
Doch zurück zu den NMS-Schülern: Sie marschieren mit gelben Klemmbrettern zwischen Aufstellern umher. In Kleingruppen gilt es, Quiz-Fragen zu beantworten. Eine der leichteren Fragen ist diese: „Wie viele Richter:innen zählt der VfGH?“.
Zu den schwierigeren gehört die Definition einer Demonstration – und welche Grundrechte von ihr berührt werden.
Draußen, vor der Tür, ist eine Ausstellung aufgebaut. „Nicht meine Baustelle“, heißt die Installation. Und sie zeigt den Schülern in begehbaren Stationen, wie wichtig es ist, sich in einer Gesellschaft und in der Demokratie zu engagieren.
Die Schüler sind durchaus interessiert an vielem. Eine Sache aber beschäftigt sie stärker als alles andere. Und welche, das wird deutlich, als die Teenager mit dem Präsidenten des Verfassungsgerichtshofs, Christoph Grabenwarter, in eine Diskussion einsteigen.
Kopftuch
„Warum genau wurde das Kopftuch ab 14 verboten?“, will eine Schülerin wissen. Eine andere fragt den Präsidenten, welche Konsequenzen es habe, wenn man das Verbot einfach ignoriere.
Grabenwarter muss jetzt diplomatisch und vorsichtig antworten, der VfGH beschäftigt sich ja schon mit dem Thema. „Ich kann an dieser Stelle keine Rechtsberatung machen“, sagt Grabenwarter. Und so referiert er die Position der Bundesregierung – und wie sie das Verbot argumentiert.
Wie die Sache ausgeht? Der Präsident kann und darf nichts vorwegnehmen. Aber eines verspricht er den Schülern: „Wir wägen das sehr genau ab im Gerichtshof.“
Source:: Kurier.at – Politik



