
Die nächste Krise ist schon da, und sie fühlt sich wie ein intensives Déjà-vu an.
Mit steigenden Ölpreisen steigen die Preise an den Tankstellen, aber gleichzeitig auch die Gaspreise und parallel dazu die Strompreise. Die Inflationsspirale dreht sich wieder. Für Haushalte, die energieintensive Industrie oder auch die Transportwirtschaft sind das altbekannte Hiobsbotschaften.
Kein Wunder, dass Ökonomen wie WIFO-Chef Gabriel Felbermayr Alarm schlagen. Die Nationalbank hat ihre Konjunkturprognose schon gesenkt, die EZB musste die Zinsen im Kampf gegen die Teuerung anheben, die US-Notenbank Fed dürfte heute folgen.
Doch andernorts hungern, fliehen und sterben Menschen. Der Nahost-Konflikt hat in all seiner Grausamkeit zwei Seiten.
Begonnen hat alles am 7. Oktober 2023 mit dem Massaker der terroristischen Hamas in Israel und dem darauffolgenden Feldzug der Israelis gegen die „Achse des Widerstands“. Das sind die Verbündeten Teherans, ob im Gaza-Streifen, im Libanon, im Irak oder in Syrien.
Mittlerweile eskaliert vor allem der Konflikt im Jemen, im Süden der arabischen Halbinsel. Dort kämpfen die ebenfalls vom Iran finanzierten Huthi-Rebellen seit Jahren gegen die international anerkannte Regierung des Jemen, aber gleichzeitig gegen eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz, die auf der Seite der jemenitischen Regierung steht.
Heldenhaftes Volk
Seit Wochen schon überziehen sich Huthis und Saudis mit gegenseitigen Angriffen. Es ist ein blutiger Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran, den die Huthis für den Iran ausfechten. „Wir freuen uns über die Siege des heldenhaften Volkes des Jemens“, hieß es sofort aus Teheran, als die Huthis am Freitag die strategisch wichtige Stadt Mokka am Roten Meer einnehmen konnten.
Mehr noch: Mittlerweile dürften die Huthis de facto die gesamte Westküste des Jemens kontrollieren und konnten mit Drohnen- und Raketen-Angriffen auch Ziele im Nachbarland Saudi-Arabien treffen. Entscheidend für den weltweiten Ölmarkt ist dabei die Beschädigung der wichtigen Ost-West-Ölpipeline in Saudi-Arabien. Damit konnten die Huthis für sich einen Prestigeerfolg erzielen. Die Angst vor einer neuen Energiekrise um und das war genau ihr Ziel.
Denn mit der Küste und geografisch günstig gelegenen Inseln können die Huthis nun die Meerenge Bab al-Mandab und damit eine Hauptdurchfahrtroute der internationalen Schifffahrt blockieren. Das zweite Nadelöhr für den globalen Ölhandel neben der Straße von Hormus fällt damit aus. Und zusätzlich muss die Saudi-Pipeline nun stillgelegt und wochen-, wenn nicht monatelang repariert werden, was das Ölangebot auf dem Weltmarkt weiter reduziert und die Preise treibt.
Bis dato pumpten die Saudis ihr Öl von den ergiebigen Fördergebieten im Osten des Landes zu den Verladehäfen im Westen und die Supertanker fuhren durch Bab al-Mandab zu den Öl-Einkäufern in Asien. Nun fällt die Pipeline aus, die Meerenge ist blockiert. Logischerweise steigen die Ölpreise wieder Richtung 110 Dollar je Fass, so viel wie seit Mai nicht mehr.
„Mit dieser Pipeline konnten die Saudis rund ein Drittel der Menge ausführen, die durch die Blockade der Straße von Hormus nicht über den Persischen Golf exportiert werden kann. Der Konflikt eskaliert. Das wird eine langwierige Geschichte“, sagt WIFO-Ökonom Josef Baumgartner zum KURIER. Er rechnet mit Dieselpreisen in Österreich von bis zu 2,50 Euro je Liter, in Deutschland stieg der Preis bereits auf bis zu 3 Euro.
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Source:: Kurier.at – Politik



