„Bürgerkrieg ist unvermeidlich“: Wie Musk britische Politik beeinflusst

Politik

Elon Musk mischt sich generell gerne ins Weltgeschehen ein. Erst unlängst gratulierte der Tech-Milliardär der deutschen AfD zum Regionalwahlerfolg, im Februar bezeichnete er den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez als „Tyrannen“ und vor zwei Jahren wetterte er gegen das brasilianische Höchstgericht. Doch kein Land bekommt so viel Aufmerksamkeit wie das Vereinigte Königreich. 

Das ergab eine Analyse von Musks X-Posts der letzten viereinhalb Jahre des Wall Street Journal. Zweimal hat der südafrikanisch-amerikanische Unternehmer sogar mehr als 200 monatliche Tweets über die britische Politik abgesetzt. Erst im Juli waren es mehr als 160 Tweets, ein Zehntel seiner Beiträge in diesem Monat. 

Die Beiträge sind ungefiltert: Im Juni nannte Musk die neue Bürgermeisterin von Belfast, Róis-Máire Donnelly, eine „Volksverräterin“, in einem anderen Tweet den englischen Parteichef der Grünen, Zack Polanski, „einen Dreckskerl“. Und im Oktober 2025, nach den Ausschreitungen in Southport, schrieb er auf X: „Bürgerkrieg ist unvermeidlich. Es ist nur eine Frage der Zeit.“

Social Media als Megafon

Seine Meinung, erörterte die Economist-Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes, fließe bei vielen ins Allgemeinwissen ein. Erst vor wenigen Tagen habe sie jemand in Amerika darauf angesprochen, wie gefährlich die englische Hauptstadt doch sei. „Sie“, warf Minton Beddoes Elon Musk im Interview vor, „haben das Bild gezeichnet, dass Europa und Großbritannien von furchterregenden muslimischen Einwanderern überrannt wird.“ 

Weil Musk knapp 250 Millionen Follower hat, hinterlassen seine Behauptungen großen Eindruck. Doch seine Behauptungen seien falsch, fuhr Minton Beddoes: London sei eine viel sicherere Stadt als jede Stadt in den Vereinigten Staaten; die Zahl der Gewaltverbrechen im Vereinigten Königreich sei rückläufig.

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Die Vorstellung, meinte dann auch Jon Sippel im „News Agent“-Podcast, dass Musk X gekauft hatte, um Meinungsfreiheit zu fördern, gehe an der Wahrheit vorbei: Vielmehr wolle er seine Weltanschauung verbreiten: „rechtsgewandt, nationalistisch, vorwiegend weiß und einwanderungsfeindlich“. Und dazu habe er auch die Mittel.

Unterstützung für Restore

Ein konkretes Beispiel: Im Jänner 2025 – nachdem der Reform–UK-Parteichef Nigel Farage in seinem Ansehen gefallen sein dürfte, deutete Musk auf X an, dass der britische Politiker Rupert Lowe Farage als Reform-Parteichef ersetzen könnte. Als Lowe kurz darauf wegen Mobbing-Vorwürfen suspendiert wurde, unterstützte Musk ihn, seine eigene Partei zu gründen: „Restore UK“. 

Regelmäßig teilt der Unternehmer seitdem Lowes Posts, etwa, wenn sich dieser für Massenabschiebungen oder Einwanderungsverbote ausspricht. Mittlerweile hat Lowe 894.000 Follower auf X, „Restore UK“ rangiert bei Umfragen auf rund 5 Prozent und der Politiker wird für seine provokativen X-Posts reichlich belohnt. 

Laut Guardian verdient Lowe durch Musks „Original Content Rewards Program“ umgerechnet 1.719 Euro pro Stunde. Denn wer einen X-Premium-Account und mehr als 2.000 verifizierte Follower hat, bekommt je nach Reichweite der Posts Geld. Insgesamt dürften das bei Lowe seit 2024 mehr als 122.000 Euro sein. 

Geld mit Empörung?

Zwar kommt das Geld nicht von Musk im Sinne einer Parteispende, außerdem haben viele britische Abgeordnete Nebeneinkünfte und doch: In einer Zeit, in der sich Nigel Farage wegen Parteispenden von amerikanischen Kryptomilliardären verteidigen muss, fragen sich immer mehr britische Journalisten, ob es nicht angebracht sei, Lowes X-Gehalt genauer unter die Lupe zu nehmen? 

Sollten Abgeordnete, fragte Jon Sopel im „News Agent“-Podcast noch, wirklich mit Empörung Geld machen dürfen? 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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