Friedrich Merz: Der Problemkanzler

Politik

Die alten Hasen in der Politik wissen eines: Wenn sich alle öffentlich hinter dich stellen, musst du aufpassen. Dann kann es gut sein, dass sie dich demnächst stürzen.

Friedrich Merz wird am Mittwoch wohl an diese Weisheit gedacht haben. Da veröffentlichten die acht CDU-Ministerpräsidenten einen Brief, in dem sie sich gegen viele Kanzlersturz-Spekulationen stellten, die die Partei seit dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt nicht mehr loslassen. „Mehr Verlässlichkeit“, versprachen sie dem Wähler, und dass sie „als Ministerpräsidenten gemeinsam mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten wollen und werden“. Nur: Der Name Merz stand da nirgendwo.

Stützen oder stürzen

An diesem Sonntag könnte Friedrich Merz der deutsche Kanzler sein, der mit Abstand am kürzesten im Amt gewesen sein wird. Dann, wenn seine CDU in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag fliegt, in Berlin den Bürgermeister verliert und die Spitzen seiner Partei ihn tatsächlich wegputschen. Möglich ist das durchaus: Er selbst hat die Ministerpräsidenten und das restliche Präsidium dann zu sich in die Parteizentrale bestellt, kurz vor Verkündigung des Ergebnisses. Das interne Motto heißt: stützen – oder stürzen.

In einem Land, in dem Kanzler im Schnitt acht Jahre im Amt sind, wirkt dieser Machtverlust wie eine Zeitrafferaufnahme. Überraschen sollte diese Entwicklung dennoch niemanden. Merz’ Abstieg hat nicht erst mit dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt begonnen, auch nicht mit seiner verhunzten Wahl zum Kanzler vor eineinhalb Jahren oder den drei verstolperten Anläufen, um Parteichef zu werden. Dass er nach nur eineinhalb Jahren als Kanzler angezählt ist, hat vielmehr mit den hohen Erwartungen zu tun, die er selbst stets schürte – schon seit mehr als 20 Jahren.

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Merz lebte immer schon von der harten Kante, vom großen Sager. Politisch unübersehbar wurde er Anfang der 2000er, als er sich als Oppositionschef im Bundestag mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder Rededuelle lieferte, Kommentatoren bejubelten die „rhetorischen Sternstunden“ der beiden Alphatiere.

Als er seine Parteichefin Angela Merkel in dieser Phase als Kanzlerkandidatin verhindern wollte, kam ihm noch eine andere Rolle zu. Ein ganzer Zirkel mächtiger Männer aus der Partei hatte sich damals gegen die einzig einflussreiche Frau in ihren Reihen verschworen – ohne Erfolg. Merkel blieb, wurde Kanzlerin, der Rest verschwand in der dritten Reihe.

Genau aus dieser Phase stammt aber die Vorstellung, der konservative, westdeutsch-männlich geprägte Merz sei so etwas wie der „Anti-Merkel“. Mit seinem Wechsel in die Wirtschaft 2005 stieg er dann letztlich ganz zur Leitfigur all jener auf, denen die Partei unter Merkel viel zu sehr in die Mitte rückte; dass er in 13 Aufsichts- und Verwaltungsräten saß, verlieh ihm die nötige ökonomische Autorität. Jahrelang konnte Merz so den Nimbus vom geschassten Hoffnungsträger, vom einzig wahren CDUler pflegen und sich aus gesicherter Distanz an Merkel und ihrer Mannschaft abarbeiten. Die bekam von der Seitenlinie zu hören, ihre Arbeit sei „grottenschlecht“, Merkel selbst warf er vor, das Land in einen „Nebelteppich“ zu hüllen.

Unerfüllbare Erwartungen

Nachbetrachtet hat Merz sich selbst die Latte damit viel zu hoch gelegt. Er steigerte die Erwartungen an die eigene Kanzlerschaft vor allem bei seinen Getreuen bis ins Unerfüllbare: Im Wahlkampf versprach er, „CDU pur“ zu liefern, wirtschaftsliberal zu sein, maximale Härte zu zeigen. …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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