
Von: Silvia Kargl
Mit dem Schwerpunkt „The Village“ startete das Tanzquartier am Freitag in die neue Saison. Das fiktive Tanzdorf wird sich neben Performances auf der Bühne im Museumsquartier in verschiedene Orte der Stadt bewegen, die Gemeinschaft ist „nichts Selbstverständliches, sondern etwas, das immer wieder gemeinsam hergestellt, erprobt, neu gedacht und praktiziert wird“, so die Künstlerischen Leiter Isabel Lewis und Rio Rutzinger.
Der Start mit „KlappSquad“ in Kooperation mit dem Verein 1210 Wien am Fußballplatz am Jedlersdorfer Platz ist gelungen. Der Verein ist nicht nur eine Ausbildungsstätte für Fußballerinnen und Fußballer jeden Alters, sondern unterhält auch ein von Kolja Burgschuld geleitetes Zentrum für Kulturvermittlung in Floridsdorf.
Das Tanzquartier kann mit Klapping am Fußballplatz mit einer neuen Richtung des Street Dance aufwarten, die 2018 von Feras Shaheen und Ahilan Ratnamohan in Syndey entwickelt wurde und seither Verbreitung vor allem in Europa findet. Wie Breakdance oder Krump folgt auch Klapping eigenen Regeln und wird im öffentlichen Raum gepflegt.
Neu ist, dass das Bewegungsvokabular auf dem Fußballsport basiert, auf Dribblings, Tackles, Teambildung und einer Fangemeinschaft. Der Ball bleibt dabei imaginär, im Zentrum steht die Ästhetik der Sportart. Zwei erfahrene „Klapper“ führten im Stadion Mitglieder des Vereins 1210 Wien mit Tanz Fans zusammen, jeder war zum Mitmachen eingeladen.
Nach dem Aufwärmen gab es kurze choreografische Sequenzen, denen leicht zu folgen war. Wie im Street Dance üblich, folgt auf eine Erdungsphase am Boden der Aufbau von Battles. Teams werden gebildet, in einer Bandbreite von lustig bis böse geschminkt, denken sich choreografische Acts aus und treten gegeneinander an. Am Ende folgt Tanz im Freestyle. Tatsächlich dreht sich alles um die Bewegung, die neue Gemeinschaft, in der Menschen unterschiedlichen Alters zusammenfinden.
Ein Höhepunkt ist jener Teil, in dem die Profis erklären, welche Fußballstars ihre Bewegungsimpulse inspirierten. Ein unterhaltsames Rätsel für Fußballfans, zu erraten waren das besondere Dribbling Roberto Baggios, der „Cruyff-Turn“ Johan Cruyffs oder aus der Gegenwart die „Open Shoulder“ Kylian Mbappés. Wie tiefgründig diese Bewegungen an der Schnittstelle von Sport und Kunst sein können, wurde in einer Sequenz vermittelt, in der alle Performer hinken mussten. Eine schöne Erinnerung an den brasilianischen Fußballstar Garrincha, dessen linkes Bein von Geburt an sechs Zentimeter kürzer war als sein ebenfalls deformiertes rechtes Bein. 1958 und 1962 wurde er mit Brasilien Weltmeister.
Klapping ist ein neuer, sicherlich noch ausbaufähiger Tanzstil, der eine unterhaltsame Brücke zwischen Kunst und Sport herzustellen vermag.
Source:: Kurier.at – Kultur



