Programmchefin verlässt ORF: Für „Millionenshow“-Aus und Fokus auf Junge

Kultur

Der Sparkurs prägt den ORF bereits nachhaltig. Das ist am Programm der neuen TV-Saison und wegen guter Marktanteile nicht sofort zu erkennen. 2027 hat die Programmdirektion aber ein um 60 Millionen Euro geringeres Budget. Programmlich wird nun vor allem in der Unterhaltung gekürzt.

„Schweren Herzens werden wir die täglichen Vorabend-Quizsendungen ab nächstem Jahr nicht mehr anbieten. Auch sehr beliebte Formate wie die ,Millionenshow‘ stehen Mitte nächsten Jahres auf dem Prüfstand“, sagt ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz KURIER-Interview (die O-Ton-Fassung finden Sie weiter unten).

Neue berufliche Ziele der Programmchefin

Es gibt noch die Option auf eine Fortsetzung der „Millionenshow“. „Diese Entscheidung trifft die nächste Geschäftsführung.“

Dann ist sie aber nicht mehr im ORF: „Ich werde das Unternehmen verlassen, um meine jahrzehntelange Erfahrung sowohl im privaten Sektor als auch im Öffentlich-Rechtlichen auch anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen“, erklärt Groiss-Horowitz. Dazu gehörten Change-Management, Digitalisierungsfragen und KI sowie Community Building und Kunden-Engagement. „Das sind Bereiche, in denen ich eine große Expertise habe.“

Was ein Aus der „Millionenshow“ bringt

Das mögliche Aus der „Millionenshow“ mit Armin Assinger ist für sie eine Prioritätenfrage: „Es ist unser Auftrag, öffentlich-rechtliche Inhalte für alle zu liefern – nicht nur für alle, die daheim ein Fernsehgerät haben.“ Auch für Junge muss es Angebote geben. „Möglichst überall dort, wo sie sind.“ Das zu finanzieren trotz kleinerer Budgets, „ist wichtiger, auch wenn es nicht leichtfällt“, meint Groiss-Horowitz.

Der ORF brauche wiederum eine nicht linear gedachte Vertriebsstrategie, die ORF On, Drittplattformen und Social Media umfasst und den ORF als Leitmedium für Junge adressiert.

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Einschnitte auch in der Struktur geplant

In den nächsten Jahren stehen auch große strukturelle Einschnitte an. „Das heißt, noch mehr Fokus auf Synergien, Workflows und multimediales Arbeiten. Für manche Redaktionen bedeutet das, dass sie mit weniger Personal den gleichen Output liefern werden müssen“, sagt die Programmdirektorin.

Aber so „sichern wir die österreichische Fiktion, die Nachrichten in der bisherigen Qualität sowie Wissenschaft und Kultur so weit wie möglich ab“, betont sie. Events wie „Dancing Stars“ bleiben wichtig, solange der ORF sie finanzieren kann. Und „Kabarett und Satire wird es immer im ORF geben, ein wesentliches Kulturgut.“

Die Politik und der Graubereich

Allerdings bastelt die Politik an einer ORF-Gesetzes-Novelle. Die ÖVP hat die Unterhaltung aus ihrer Definition des ORF-Auftrags getilgt. Das ist ebenso die Linie der FPÖ. Auch Privatmedien wollen eine engere Definition.

„Mit so Begrifflichkeitsgeschichten landet man schnell im Graubereich“, warnt die Programmchefin. So ressortiere Karl Plobergers Gartensendung, sehr beliebt und lehrreich, in der Unterhaltung, „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ hingegen in der Kultur. „Wenn der Gesetzgeber dem ORF etwas verunmöglicht, was das Publikum will, hilft das niemandem“, meint die 49-Jährige.

Österreichische Fiction deutlich gesteigert

Möglichst vor Kürzungen bewahren will man österreichische Filme und Serien. „Wenn es der ORF nicht macht, wer macht es sonst?“, fragt Groiss-Horowitz. Auch fürs Kino entsteht viel unter ORF-Beteiligung, wie z. B. der Mega-Erfolg „Aufputzt is“, der im Weihnachtsprogramm 2027 zu sehen sein wird.

„Durch zähe Verhandlungen“ hat man Verträge mit US-Majors beenden können und Geld freigeschaufelt. „2025 kommen wir auf über 260 Stunden an österreichischer und koproduzierter Fiction. Das ist gegenüber 2020 eine Steigerung von 78 Prozent. Also, das …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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