
Der Bau großer Rechenzentren sorgt zunehmend für Diskussionen über Stromverbrauch, Netzausbau und Umweltauflagen. In der „ZiB2“ war dazu Ivona Brandic, Informatikprofessorin an der Technischen Universität Wien, zu Gast.
Dass Rechenzentren bisher nicht eigens in der Umweltverträglichkeitsprüfung berücksichtigt wurden, überrasche sie „ja und nein“. Einerseits seien die Anlagen riesig, andererseits gebe es „einfach keine Kategorie in der Umweltverträglichkeitsprüfung“ für Rechenzentren.
Strombedarf und Netze
Brandic verwies auf sogenannte Hyperscale-Rechenzentren, die modular gebaut und später erweitert würden. Deshalb entstünden sie oft „auf einer grünen Wiese“, damit ausreichend Platz für den Ausbau vorhanden sei.
Ob Österreich genügend Strom- und Netzkapazitäten habe, sei schwer abzuschätzen. Als Beispiel nannte sie Irland, wo Rechenzentren mittlerweile ein Viertel des Stroms verbrauchten. „Diese Überlegung muss man sich jetzt machen, ob wir genug Kapazitäten haben in der nächsten Zeit.“
Steigende Nachfrage könne auch Auswirkungen auf die Strompreise haben. „Wenn man sich die Marktmechanismen anschaut, ist das durchaus zu erwarten“, sagte Brandic.
KI und Zukunft der Rechenzentren
Die Informatikprofessorin erklärte den hohen Energiebedarf von KI-Anwendungen mit der enormen Menge an Rechenoperationen bei Large Language Models. Dabei würden Daten aus dem Internet abgesaugt und verarbeitet.
Das chinesische Modell DeepSeek habe bestehende Systeme optimiert, das eigentliche Training sei aber bereits zuvor erfolgt. Brandic sprach zudem von kleineren KI-Systemen, die deutlich ressourcenschonender seien.
Langfristig erwartet sie deutlich kompaktere Rechenzentren. „Davon gehen wir aus“, sagte sie. In der Forschung arbeite man daran, Anlagen unsichtbar zu machen oder unter Wasser, unter der Erde oder sogar im Zusammenspiel mit Satelliten zu betreiben: „Niemand will es haben, alle brauchen es.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



