In der geschlossenen Anstalt: „Sturm.“ von Marlene Streeruwitz

Kultur

In den frühen 1990er-Jahren wurde Marlene Streeruwitz mit Theaterstücken bekannt, darunter „Waikiki-Beach.“, „Elysian Park.“ und „Sloane Square.“. Nach Misserfolgen gab sie das dramatische Schreiben auf. Doch nun hat sie im Auftrag des Theaters Nestroyhof Hamakom wieder ein Stück geschrieben, eigentlich nur einen inneren Monolog.

Streeruwitz griff bei „Sturm.“ auf eine ihrer Figuren zurück: Frau Horvath war 1993 in „New York. New York.“ eine 60 bis 80 Jahre alte Klofrau der Bedürfnisanstalt in der Stadtbahn-Station Burggasse. Und „jetzt ist die unverwüstliche Frau Horvath in unserer Gegenwart angekommen“, so die Ankündigung. Sie müsste also jenseits der 100 sein. Aber ist, verkörpert von Anne Bennent, fit wie ein Turnschuh: Als Diva im Nerz mit Sonnenbrille, Pumps und Kopftuch balanciert sie auf einem federnden Sprungbrett über dem Abgrund – und ist auch sonst immerzu in Bewegung. Man muss ja was tun beim Sprechen in der geschlossenen Anstalt, die ein Museum gewesen war, bevor der sozialdemokratische Kulturminister die Subvention strich.

Diese durchaus wütende Witwe und Mindestpensionistin sinniert über Gott (und die Wiederauferstehung von Jesus), die Götter (in erster Linie Prometheus, den sie pflegt) und die Götzen (Donald Trump). Es geistert viel in ihrem Kopf herum, wohl auch Peter Handkes „Kaspar“. Nebenbei vertritt Frau Horvath die Sache der Frauen und leistet – mit resignativem Unterton – Widerstand.

Wie zum Hohn durfte ein Männerquartett (Regie: Hannes Hametner, Ausstattung: Christoff Wiesinger, Dramaturgie: Patrick Rothkegel, Musik: Otto Lechner) den feministischen Text am Mittwoch zur Uraufführung bringen. Weil er derart „kompliziert“ ist (so liest man im Programmheft), versucht man erst gar keine Interpretation, sondern begnügt sich mit Illustration. Anne Bennent schaut man bei der Herkules-Aufgabe dennoch gerne zu.

  Der Fußball bleibt imaginär: Der neue Tanzstil „Klapping“

KURIER-Wertung: 2,5 Sterne (von 5)

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.