
Was in einem Jahr alles möglich ist: Im September 2025 verschwand Andy Burnham, damals Bürgermeister von Manchester, noch vor der stets Rede des Premierministers von der Labour-Konferenz. Ein Jahr später hält er diese Rede selbst.
„Hope Again“ steht in weißen Lettern auf der roten Leinwand, als Andy Burnham Dienstagnachmittag unter Standing Ovations und kaum abreißend wollendem Applaus die Bühne in Liverpool betritt.
Es läuft gut für den neuen britischen Regierungschef. Seit er im Juli das Zepter von seinem Vorgänger Keir Starmer übernommen hat, surfte er auf einer Welle der Begeisterung.
Umfragehoch
Die Wahlumfragen zeigten erstmals seit eineinhalb Jahren die Labourregierung wieder an erster Stelle. Laut YouGov-Umfrage schätzen 41 der befragten Briten den neuen Premier, 43 Prozent verwendeten zumindest ein positives Wort, um ihn zu schreiben: bodenständig, anders, sympathisch.
Burnham hat eine Natürlichkeit, die Starmer stets fehlte: Er nutzt die sozialen Medien erfolgreich, lässt sich von Podcast-Größen interviewen, spricht vor den Kameras kontrolliert und doch herzlich. „Es ist ein emotionaler Moment, ein stolzer Moment für jemanden, der in dieser Stadt geboren wurde“, sagte Burnham zum Liverpool Echo, als er am Sonntag zum Auftakt der Labour-Konferenz in Liverpool ankam. Hinter ihm, eine jubelnde Traube an Unterstützern, er selbst mit gläsernen Augen.
„Burnham Bounce“ haben britische Medien den positiven Effekt getauft, den der Premier auf die Partei hat.
Gefahr eines Falls
Es ist eine Hoch, vor dem er sich in Acht nehmen sollte. Ein solcher „Bounce“ wurde 2007 auch dem damaligen Premier Gordon Brown zugeschrieben. Doch bei den darauffolgenden Parlamentswahlen musste sich Labour den Konservativen geschlagen geben.
In den kommenden Wochen stehen Burnham harte Entscheidungen bevor. Die Lebenskostenkrise macht dem Land immer mehr zu schaffen: Diesel hat mit umgerechnet 2,4 Euro einen neuen Rekordpreis geknackt; Gas ist so teuer wie zum Beginn des Ukrainekriegs. Der Zinssatz für Staatsanleihen ist mit 5,8 Prozent so hoch wie zuletzt 1998. Gerade die Wirtschaft war ein Thema, über die Starmer wiederholt stolperte.
Harte Entscheidungen
Doch Burnham habe Starmer gegenüber einen klaren Vorteil, sagt Politikexpertin Theresa Bischof: „Die Leute kaufen ihm ab, dass er sie versteht.“
Doch vor dem Vorwurf einer „Vibes-Regierung“ schütze ihn das nicht. Die nächste Zeit erfordere deshalb „Fingerspitzengefühl und konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Lebenshaltungskosten, ein Thema, das Wähler links wie rechts eint“, ergänzt Bischof. Die Menschen müssen die Veränderung im Alltag spüren.
„Wir sollten den Wert, den ,Sympathie’ für einen Politiker und seine Partei hat, nicht unterschätzen“, sagt auch Politikprofessor Tim Bale von der London Queen Mary University, aber natürlich sei das nicht alles.
Respekt spiele ebenfalls eine Rolle. „Und es könnte sein, dass die Wähler, ähnlich wie zu Zeiten von Margaret Thatcher als Premierministerin, auf einen Politiker reagieren, der bereit ist, kurzfristig harte Entscheidungen zu treffen, die sich langfristig auszuzahlen scheinen.“
Wenn es Burnham gelinge, Sympathie mit Durchsetzungskraft zu verbinden – „was keine leichte Aufgabe ist“ – dann hat er zumindest eine Chance, Wähler sowohl aus dem linken als auch aus dem rechten Lager für sich zu gewinnen.
Denn seit das britische Zweiparteiensystem aufgebrochen ist, ergänzt Bischof, konkurrieren Parteien von allen Seiten des Spektrums konkurrieren um die Stimmen der Briten.
„Wenn wir an einem Strang ziehen, gibt es nichts, …read more
Source:: Kurier.at – Politik



