Wohnungskrise in Dublin: Wenn Obdachlosigkeit nicht auf der Straße stattfindet

Politik

Sie sind unterwegs mit vollgepackten Taschen und Schlafsäcken, halten sich oft an belebten Einkaufsstraßen oder im Park aus – das ist zumindest das Klischee von wohnungslosen Menschen. Dass Obdachlosigkeit sehr wohl auch anders aussehen kann, zeigt die Wohnungskrise in Dublin. Zwar findet man das eine oder andere Wurfzelt neben des River Liffey, Obdachlosigkeit ist in der irischen Hauptstadt aber nicht auf die sogenannten „Rough Sleepers“, also Menschen, die „klassisch“ auf der Straße leben, beschränkt. Es sind auch Menschen, die sich mit 200 anderen eine Küche teilen müssen. Menschen wie Savannah….

Die 29-Jährige ist eine 17.482 Personen im Land, die im Juni offiziell als obdachlos gemeldet und in einer Notunterkunft der Stadt untergebracht war. Also nur ein sehr kleiner Teil, von einer viel höheren Dunkelziffer. Savannah empfängt den KURIER in einem schwarzen, luftigen Zweiteiler mit einer knallroten Jacke und Sandalen. Ihr dichtes, schwarzes Haar fällt glatt geföhnt über ihre Schultern und sie trägt dezentes Make-up, das wie professionell aufgetragen aussieht. „Ein Zuhause zu haben, ist nicht selbstverständlich“, sagt die junge Mutter. Seit zwei Jahren lebt sie gemeinsam mit ihrem Sohn in einem Zimmer der Notunterkunft. Auf den ersten Blick würde man ihr ihre schwierige Lebenssituation nicht ansehen. 

Drastischer Mietanstieg

In diese Lage geriet die junge Frau, weil ihre Miete drastisch angestiegen ist. „Zu Beginn waren es 1.300 Euro für eine Zweizimmerwohnung, was in Dublin nicht viel ist“. Kurzerhand sei eine weitere Erhöhung auf 1.800 und schließlich 2.000 Euro erfolgt. „Selbst wenn ich nach der Geburt meines Sohnes gleich wieder zur Arbeit zurückgekehrt wäre, hätte das Geld für die Miete niemals ausgereicht“, sagt sie. Die Wohnung wurde vom Vermieter letztendlich verkauft. „Es hat sich angefühlt, als würde man mich loswerden wollen.“ Savannah stand somit auf der Straße, kam zunächst bei Freunden und Familie unter. „Es war aber keine dauerhafte Lösung für uns. Ich hatte schließlich keine Wahl und musste meinen Sohn und mich als heimatlos melden“, sagt die 29-Jährige.

  Religionsunterricht: Aufsicht laut Wiederkehr „verfassungsrechtlich nicht trivial“

Versteckte Obdachlosigkeit

Savannahs Situation ist mehr Regel- als Einzelfall, wie Mike Allen, Director of Advocacy von der gemeinnützen Organisation Focus Ireland bestätigt. „Die offiziellen Zahlen zur Obdachlosigkeit vermitteln kein vollständiges Bild der Situation“, sagt er. Jene inkludieren lediglich Personen, die in offiziellen Notunterkünften untergebracht seien. Menschen, die bei Bekannten oder Familie unterkommen, ebenso wie Frauen in Frauenhäusern, Menschen auf der Straße und Flüchtlinge seien in der Statistik nicht einberechnet. „Die Dunkelziffer ist demnach viel höher.“

Obdachlosigkeit sei demnach längst kein Problem mehr, das nur auf den Straßen Dublins stattfinde. „Das System ist voll“, sagt Mike Allen. Treffen könne es dabei jede und jeden: „Es ist meist eine Verkettung an ungünstigen Umständen.“ Ein weiteres Problem: der soziale Wohnbau komme dem enormen Bedarf trotz Bemühungen nicht nach, weshalb der Staat verstärkt auf private Vermieter angewiesen ist. Einige, wie einst der Vermieter von Savannah, verlassen aber zunehmend den Mietmarkt und verkaufen ihr Eigentum, was Mieterinnen und Mieter weiter in Bedrängnis bringt. „Das Grundproblem ist ein zu starkes Ungleichgewicht zwischen den Menschen, die Wohnungen brauchen, und der Anzahl der verfügbaren Wohnungen der Stadt“, erklärt Mike Allen. 

Dieses Problem habe sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.