
Erstes Heimspiel der Austria Frauen in der Ligaphase der Women’s Champions League. Am Donnerstag (18.45/live ORF Sport+) trifft die Wiener Austria in der Generali Arena auf Inter Mailand.
Inter – ein großer Name im Fußball der Männer. Aber was kann man sich vom italienischen Vizemeister der Serie A Femminile erwarten? Welchen Stellenwert haben die Kickerinnen in Italien?
Professionalisierung seit 2020
Vor allem in den vergangenen Jahren ist viel passiert im Fußball der Frauen in Italien. Das Nationalteam erreichte bei der EM 2025 in der Schweiz nach starker Leistung in der Gruppenphase das Halbfinale und verpasste gegen England den Finaleizug nur knapp mit einem 1:2 nach Verlängerung.
Bis man soweit war in Italien passierte aber einiges. Mittlerweile gilt die Serie A Femminile laut dem Fußball-Analyseportal Opta als fünftbeste Frauenliga der Welt nach USA, England, Spanien und Deutschland.
Der Knackpunkt war 2022. Zuvor wurde vom Parlament das Nanncini-Gesetz verabschiedet, was den Weg frei machte für neue Arbeitsverträge in der Frauenliga – ein staatlicher Millionenfonds für die Professionalisierung im Frauensport wurde eingerichtet. Es half für den Übergang von Athletinnen, insbesondere im Fußball, vom Amateur- zum Profistatus und entlastete dabei die Klubs auch bei den stark steigenden Lohnnebenkosten.
„Man hat in den letzten Jahren gemerkt, dass viel vorangeht“, sagt Verena Hanshaw, die selbst bis zum Sommer bei AS Rom gespielt hat und den italienischen Fußball gut kennt. „Die Italienerinnen waren immer schon technisch gut, mittlerweile auch taktisch. Allerdings ist die Infrastruktur noch nicht dort, wo sie sein könnte.“
Während danach die Zuschauerzahlen stetig stiegen und die TV-Reichweite ebenso anstieg wie das Sponsoreninteresse, wurde deutlich, dass dennoch viel an Geld im Frauenfußball fehlt. Die gestiegenen Kosten für Personal und professionellere Strukturen waren noch lange nicht gedeckt.
Personalkosten explodierten
Laut einem Bericht des italienischen Verbands haben sich die Personalkosten zwischen der Saison 2021/22 und 2024/25 mehr als verdoppelt und erreichten einen Durchschnittswert von rund 3,5 Millionen Euro pro Verein, wobei der Großteil (65 Prozent) auf die Kosten für die Spielerinnen entfällt. Immerhin steigen auch die Erlöse der Vereine durch mehr Sichtbarkeit und mehr Zuschauer. Die Erlöse liegen bei rund 1,2 Millionen Euro pro Verein und immer noch im Aufwärtstrend.
Die Vereine tragen zunehmend zur Entwicklung der Liga bei, indem sie zu mehr als 60 Prozent auf „Homegrown“-Spielerinnen in ihren Kadern setzen, was wiederum auch das Nationalteam stärkt. 2024 wurde die Liga auf 12 Teams erweitert, große Stadien werden mittlerweile mehr genutzt, Synergien zwischen Männer- und Frauenteams geschaffen. Die Stadionbesuche verdreifachten sich innerhalb von drei Jahren.
Die Zuschauerzahlen steigen weiter. Im Vorjahr hat die italienische Liga laut Medienberichten einen Wert von knapp unter 900 Besucherinnen und Besuchern pro Spiel erzielt. Darüber hinaus stärken sowohl Vereine, als auch die Liga ihre mediale Präsenz und ihre Maßnahmen zur Fan-Bindung. Der Verband rechnet mit einer Community mit mehr als 23 Millionen Followern.
Insgesamt liegt noch viel Arbeit vor den Verantwortlichen in Italien, insbesondere was das Geschäftsmodell Frauenfußball betrifft. Aber die ersten Schritte wurden bereits genommen und sind auch in den Erfolgen der Nationalmannschaft sichtbar geworden.
Source:: Kurier.at – Sport



