
In Pakistan blieben die Schulen zwei Wochen lang geschlossen, um Energie zu sparen. Auf den Philippinen rief die Regierung den Energienotstand aus. In Bangladesch standen Tankstellen trotz Rationierung leer.
Seit der Iran-Krieg die Straße von Hormus weitgehend blockiert, erlebt die Welt laut Internationaler Energieagentur den zweiten großen Energieschock binnen fünf Jahren – der erste Schock war unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Preiskrise, nicht Angebotskrise
Diese geopolitisch ausgelöste Energiekrise trifft Österreich anders: In den Gasspeichern lagert fast ein Jahresverbrauch, an den Tankstellen gibt es keinen Mangel.
Teurer geworden sind dennoch Sprit und Gas. Diesel kostet im Schnitt etwa 2,25 Euro, Super 95 etwa 1,95 Euro. Und im Großhandel kostet Gas heute rund doppelt so viel wie vor dem Irankrieg. Beim Strom spüren Haushalte das noch nicht, im Großhandel aber schon – der Preis hängt stark am Gaspreis.
Teurer Winter
Und jetzt steht der Winter vor der Tür. Der hohe Öl- und Gaspreis wird sich massiv auswirken: Rund ein Drittel der Energie verbrauchen Gebäude, vor allem fürs Heizen. Die Gebäude sind großteils schlecht gedämmt, saniert wird kaum – zuletzt weniger als ein Prozent der Wohnungen pro Jahr, trotz des politischen Versprechens, schneller und mehr sanieren zu wollen.
Peter Klimek, Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII, Lieferketten), sieht das ähnlich, schränkt aber ein. „Wir sind von dieser Krise nicht direkt betroffen, aber wir spüren den Preis“, sagt er. Die Unterscheidung zwischen Preis- und Angebotskrise sei am Anfang wichtig gewesen. Doch wenn Energie über Monate teuer bleibt, passt sich die Nachfrage an: Wer sich die Preise nicht leisten kann, verbraucht weniger. Am härtesten trifft das Länder, die da nicht mithalten können – und die liegen vor allem in Asien.
China als Preistreiber
Dass die Lage bisher nicht eskaliert ist, liegt laut Klimek auch an China. Das Land hat seine Ölimporte gedrosselt und eigene Reserven angezapft, das hat den Weltmarkt entlastet. Seit einigen Wochen kauft China wieder verstärkt ein – was mit ein Grund für die jüngsten Preisanstiege ist. Warum, ist offen: Gehen die Reserven zur Neige, werden sie wieder aufgefüllt, oder will Peking Druck auf Washington machen?
Eine gute Nachricht gäbe es: Im saudischen Hafen Yanbu am Roten Meer laden wieder mehr Tanker Öl. Dort endet die Pipeline, mit der Saudi-Arabien die Straße von Hormus und die Houthi-Rebellen umgehen kann.
An den hohen Preisen werde das wenig ändern, sagt Klimek. Märkte täten sich generell schwer, extreme Risiken einzupreisen. Der größte Unsicherheitsfaktor sei die US-Regierung unter Donald Trump, die Handelsabhängigkeiten zunehmend als geopolitische Waffe einsetze.
Ölreserven werden angezapft
Wie verwundbar Österreich ist, zeigt die Herkunft unseres Öls. Mehr als die Hälfte kommt aus Kasachstan – über eine Pipeline zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk. Dort liegen ein russischer und ein kasachischer Ölterminal, ukrainische Drohnen haben die Anlagen wiederholt angegriffen. Fiele diese Route aus, würde das Österreich laut Klimek massiv treffen. Alternative Lieferwege ließen sich nicht kurzfristig aufbauen.
Gedrängt hatte US-Präsident Donald Trump – der zugleich den ukrainischen Präsidenten aufforderte, keine russische Ölinfrastruktur mehr anzugreifen. Hintergrund sind die auch in den USA hohen Spritpreise, die den Republikanern die Kongresswahlen im November verhageln dürften.
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Source:: Kurier.at – Politik



