Vom Knopfdruck zur KI: Wie sich ein Job über zwei Generationen verändert

Wirtschaft

Wenn das Telefon klingelt und „die Warte“ dran ist, nimmt der Tag meist eine abrupte Wendung. Dann braucht es schnelle Entscheidungen oder eine Absprache mit dem Schichtleiter. Eine Abfahrt beim Skifahren wird für ein langes Krisentelefonat pausiert, ein Tag am Pool verlegt sich womöglich in die Müllverbrennungsanlage. So auch vor 24 Jahren.

Harald Weginger war gerade dabei, seine Tochter in den Kindergarten zu bringen. Da meldete sich „die Warte“ über die Autofreisprechanlage. Weginger war so vertieft in das technische Problem, dass er ohne Umschweife in sein Büro in die Spittelau fuhr. Dass die Tochter noch am Rücksitz war, bemerkte er erst in der Garage. „Die Sekretärin, die immer noch hier arbeitet, hat auf mich aufgepasst“, erzählt die heute 29-jährige Lisa Weginger. Das kleine Malheur verschaffte der damals Fünfjährigen eine erste, exklusive Tour durch die Arbeitsstätte des Vaters. Ein paar Jahre später wurde diese zu ihrer eigenen.

Lisa Weginger ist Projektleiterin bei der Wien Energie und kümmert sich um die funktionale Sicherheit der Anlagen an allen Standorten. Vater Harald arbeitet nur wenige Bürotüren weiter, begeht heuer sein 40. Dienstjahr und ist Gruppenleiter eines 25-köpfigen Teams. Als er in den Job einstieg, war er noch Teil der Heizbetriebe Wien. Anlagen funktionierten „auf Knopfdruck“, der selbstverständlich händisch erfolgte. Heute sei das Meiste automatisiert und zigfach gegen Einwirkungen von außen abgesichert. „Wir müssen Anlagen wie Inseln fahren“, erklärt der Gruppenleiter. Die technischen Kompetenzen jedes einzelnen Mitarbeiters wären deshalb viel höher denn je. „Mitarbeiter müssen gut geschult sein“, sagt er und im besten Fall das Unternehmen lange begleiten. Doch so früh wie seine Tochter ist wohl kaum jemand eingestiegen.

  Ähnelt KZ-Kleidung: Zara zog Halloween-Kostüm für Kinder zurück

Unterschiedliche Generationen und wie sie zusammenarbeiten

Im Winter brachte die Kinderweihnachtsfeier, im Sommer das Ferienspiel Lisa Weginger mit ihrem späteren Arbeitgeber in Kontakt. Gedrängt habe sie der Papa nie dazu.

Das Interesse für Technik, Natur, Mobilität, Abfallwirtschaft, zusammengefasst für „alles, was eine Stadt braucht, um zu funktionieren“, kam wie von selbst, berichtet die 29-Jährige. Also studierte sie Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der Boku, nur wenige Luftmeter von der Spittelau entfernt. „Ich habe zum Papa rüberwinken können“, sagt sie. Ihr Forschungspraktikum brachte Lisa Weginger das erste Mal offiziell als Mitarbeiterin in den Betrieb. Ein Traineeship, für das jährlich nur sechs junge Talente ausgewählt werden, festigte schließlich die Karriere.

„Sie hat mir nicht einmal gesagt, dass sie sich dafür beworben hat“, berichtet Harald Weginger, der sichtlich stolz auf seine Tochter ist. Nicht zuletzt, weil immer noch zu wenige Frauen den Weg in seine Branche einschlagen.

Der einzig weibliche Vorname auf einem langen Mailverteiler

In seinem Team ist keine einzige Frau und auch Lisa Weginger hat sich daran gewöhnt, meist der einzig weibliche Name in einem großen Mailverteiler zu sein. „Schon im Realgymnasium war ich teilweise das einzige Mädchen.“ Dabei würde die Technik eine gute Zukunftsperspektive bieten, sind Vater und Tochter überzeugt.

Jobs hätten sich zwar stark verändert, aber in Harald Wegingers Augen „zum Besseren“. Während er am 31. Dezember 1999 noch zitterte, ob die Systeme die Jahrtausendwende überstehen, fokussieren er und seine Tochter sich jetzt auf die Energiewende, darauf, die Anlagen noch sicherer zu machen und die …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 4 times, 4 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.