
„Es ist nicht unmöglich, dass diesem traumverwirrten Katzenjammer die Zukunft gehört – eine Zukunft, die wir nicht darum beneiden“: Der gefürchtete Kritiker Eduard Hanslick sollte mit dem resignierenden Schlusssatz seines Verrisses anlässlich der triumphalen Uraufführung der zweiten Fassung von Anton Bruckners 8. Symphonie 1892 in Wien recht behalten. Denn das Werk zählt heute zu den eindrucksvollsten und bedeutendsten Symphonien überhaupt.
Im breit aufgefächerten Streicherteppich, mit fortwährenden Steigerungswellen und weitausholenden Intervallen bis zu einem strahlenden, choralartigen Gipfelpunkt, wo ein „siegfriedähnliches Motiv“ in den Hörnern aufleuchtet: Besonders das Adagio ist von ätherischer und ungemein berührender Ästhetik. Vor allem dann, wenn es so phänomenal von den Wiener Philharmonikern unter Riccardo Muti musiziert wird, wie diesmal im ausverkauften Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.
Topfit
Auch sonst konnte der 85-jährige, topfit wirkende, italienische Maestro die hochstehenden Vorzüge bei den Musikerinnen und Musikern auch solistisch bei dem etwa neunzigminütigen Monumentalwerk voll ausschöpfen. In breiten, aber immer idealen Tempi, alle Phrasen ausschwingend und mit einem außerordentlichen Reichtum an Farben und vielen weiteren Nuancen wurden die glänzenden Orchestereffekte hervorgehoben.
Das für damalige Verhältnisse radikale harmonische Neuland, jener seltsame Dialog zwischen Wispern und Flüstern der Violinen im Scherzo mit seinem einzigen fast brutalen, beinahe trivialen, Motiv, und die großartige Klimax zum Finale, wenn in einem einmaligen, kompositorischen Kraftakt alle vier Themen aller Sätze übereinandergeschichtet werden, wurden aufsehenerregend zelebriert: Eine Kulmination eines symphonischen Lebenswerkes. Riesenjubel und stehende Ovationen!
Source:: Kurier.at – Kultur



