
Nach der Übernahme durch den deutschen Investor Quantum von Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer Anfang des Jahres schließt der heimische Sportartikelhändler Hervis noch mehr Filialen und stellt sich strategisch neu auf. Bis Ende nächsten Jahres sollen von den 93 übernommenen Filialen 50 bis 55 übrig bleiben, bestätigte der neue Hervis-Geschäftsführer Markus Hupach bei einem Hintergrundgespräch am Mittwoch. 15 Standorte davon seien Skiverleih-Geschäfte.
Wie bei der Übernahme angekündigt, wurden heuer bereits 17 unrentable Filialen mit rund 100 Mitarbeitern geschlossen. In der Zentrale in Wals-Siezenheim wurde der Personalstand von 120 auf 85 reduziert. Dies sei nötig gewesen, da die Auslandsstandorte verkauft wurden und man deshalb die Verwaltung reduzieren könne, so Hupach. Für die betroffenen Mitarbeiter gibt es einen Sozialplan, einige könnten in andere Standorte wechseln. Von den 900 Mitarbeitern dürften somit rund 750 übrig bleiben.
„Wir wollen nicht mehr der Günstigste sein“
Um beim schwer defizitären Sporthändler die Trendwende zu schaffen, schwört Hupach dem Diskont-Konzept ab und richtet die Marke voll auf die jugendlich-digitalaffine Generation Z (GenZ, Jahrgänge 1995-2010) aus. „Wir wollen nicht mehr der Günstigste sein und gehen in ein höheres Preissegment rein“, kündigt der neue Geschäftsführer an. Kernzielgruppe sei die GenZ, die fast ausschließlich über Social Media-Einkäufe tätige sowie markenaffine Athleten.
Willkommen seien natürlich auch andere Altersgruppen, ergänzt Hupach auf Nachfrage. Reine Schnäppchenjäger will die angeschlagene Sportkette aber nicht mehr.
Community-Bildung und Comeback der Marken
Statt wie bisher auf den Preis zu setzen, wird das Angebot um Beratung, Training und Community-Bildung für gemeinsame Sportaktivitäten erweitert. Auch Premium-Marken wie Nike wird es wieder bei „Hervis 4.0“ geben, die Eigenmarken Benger oder Kilimandscharo würden dort weitergeführt, wo es Sinn macht.
Im Mittelpunkt steht dabei die neue Hervis-App, die es ab 16. Oktober gibt. Über diese soll sich die GenZ vernetzen, Erfahrungen austauschen, Produktempfehlungen weitergeben und Laufchallenges veranstalten, bei denen sie Punkte für ein Bonusprogramm erwerben können.
Flagship-Store mit neuem Konzept in Salzburg
Im Europapark Salzburg wird 2027 der erste Flagship-Store mit neuem Konzept präsentiert. Dort soll es auch Geocaching geben, also der Kunde bei eingeschalteter App gleich beim Eingang erkannt und seine Daten getrackt werden, sofern er damit einverstanden ist. Die restlichen Filialen werden nach und nach umgestellt. Nicht mehr jeder Standort soll alles anbieten, der Fokus liege auf Bike, Ski, Running, Outdoor, Training, Lifestyle sowie Tennis und Padel.
Große Zukunfts-Investments könnten angesichts der teuren Sanierung nicht getätigt werden, betont Hupach. Zunächst gehe es darum, die Verluste zu stoppen und zu reduzieren. „Das Geschäftsmodell Diskonter war nicht nachhaltig“, so Hupach. Auch müsse die enge Verflechtung mit Spar erst entzerrt werden. „Das ist eine Herkulesaufgabe“.
Wann sich das neue Konzept rechnet und wieder schwarze Zahlen zu erwarten sind, vermag Hupach nicht abzuschätzen. „Wir sind auf einem guten Weg“. Der neue Eigentümer habe aber ein großes Interesse daran, mit dem Projekt erfolgreich zu werden.„ Sven Vath verkaufte seine Streetwear-Kette Snipes übrigens 2011 an die Schuhhandelskette Deichmann.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



