
Der ORF stand zuletzt an vielen Fronten unter starker Kritik. Eine davon sind die Gehälter, die im Öffentlich-Rechtlichen ausbezahlt werden und unter den Top 10 mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr betragen. Der designierte ORF-General Clemens Pig will nun eine neue ORF-Gehaltspyramide einführen – und wird selbst „erheblich weniger“ als sein Vorgänger verdienen, wie er dem KURIER sagt. Einer neuen ORF-Führungsstruktur – die Alleingeschäftsführung im Milliardenkonzern wird großflächig kritisiert – würde er sich nicht in den Weg stellen, sagt er.
Der ehemalige APA-Geschäftsführer Pig, der mit 1. Jänner seinen neuen Posten offiziell antritt, will demnach „aus eigener Initiative“ ein geringeres Jahresgehalt vorschlagen und auch auf Bonus- und sonstige Extrazahlungen verzichten. „Es braucht keine Bonuszahlungen oder sonstige Gehaltsbestandteile, die draußen niemand versteht. Es soll ein Fixum geben und das wird geringer sein als die Gesamtvergütung meines Vorgängers“, sagt er.
Der ORF muss im kommenden Jahr 100 Millionen Euro einsparen. 90 Millionen jährlich zusätzlich entfallen auf die kurzfristige und möglicherweise EU-rechtswidrige Streichung der Kompensation für den Wegfall des Vorsteuer-Abzugs durch die Bundesregierung. 90 Millionen sind in etwa 8 Prozent des ORF-Umsatzes von 1,1 Milliarden jährlich. Ein um 8 Prozent geringeres Gehalt als jenes von Pigs Vorgänger Roland Weißmann (dieses wurde noch vom ehemaligen FPÖ-Stiftungsratsvorsitzenden Norbert Steger festgelegt) würde etwa 390.000 Euro ausmachen. Ist das nicht immer noch zu viel?
Pig: „Ich kürze mein eigenes Gehalt erheblich unter das Niveau meines Vorgängers und verzichte auf Bonuszahlungen. Ich arbeite bereits monatelang gratis für das Unternehmen und mache das bis zum Antritt als ORF-Alleingeschäftsführer. Das ist Loyalität zu einem Unternehmen.“
Eine gesetzliche Umgestaltung von der Alleingeschäftsführung in Richtung eines Vorstandsmodells würde er mittragen – und würde dies auch vertraglich festschreiben wollen: „Ich brauche diesen Machtstatus als Alleingeschäftsführer nicht.“
Vergütungsausschuss am Donnerstag
Beim Vergütungsausschuss des ORF-Stiftungsrats am Donnerstag wird es nicht nur um Pigs Vertrag, sondern auch um die Sparmaßnahmen im ORF gehen. „Eine neue Spar- und Reformkultur muss an der Spitze beginnen. Wer Veränderungen verlangt, muss bereit sein, bei sich selbst anzufangen“, sagt Pig.
Der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer (SPÖ) gibt sich inzwischen im Standard eher skeptisch gegenüber einem Fixgehalt ohne Leistungsvergütung. „Ich bleibe dabei: Es muss für das Management Fixgehälter und bis zu 30 Prozent Erfolgskomponenten geben, die an einer Reihe klar messbarer Kriterien festgemacht werden“, sagt er. Damit könnte Pig auf die Höhe der bisherigen ORF-Chefs kommen, bestätigte Lederer.
Und er geht von einem Minus im ORF-Budget für 2027 aus: „Nach allen Zahlen, die mir vorliegen, und unter den Bedingungen von jährlich 100 Millionen Euro Sparbedarf kann ich mir nicht vorstellen, dass wir im kommenden Jahr positiv sind.“
Source:: Kurier.at – Kultur



