Frédéric Chopin als Partylöwe: „Chopin – Eine Sonate in Paris“

Kultur

Nicht nur die Deutschen suchen die Sonne auf Mallorca, auch Frédéric Chopin. Der polnische Paris-Emigrant leidet an Tuberkulose und setzt sich mit seiner neuen Geliebten, der französischen Schriftstellerin George Sand auf die Insel ab, um seiner angegriffenen Gesundheit Ruhe und Wärme zu gönnen. Das junge Glück dauert nicht lange an: Die Spanier haben Wind von Chopins Krankheit bekommen und fürchten die Ansteckung. Er und George werden verjagt und ihre Kleider verbrannt. Zuletzt landen sie wieder in der französischen Hauptstadt.

„Chopin – Eine Sonate in Paris“ wird als eine der teuersten Produktionen der polnischen Filmgeschichte ausgeschildert. Regisseur Michał Kwieciński hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um das polnische Nationalheiligtum in seiner historischen Lebenszeit zwischen 1810–1849 möglichst lebensecht zu inszenieren.

Spitznasiger Dandy

Hauptdarsteller Eryk Kulm spielt Chopin, von Freunden wie Franz Liszt kurz Fryc genannt, als spitznasigen Dandy mit Schalk im Nacken. Es ist nicht nur sein Klavierspiel, das die Leute begeistert, sondern auch sein Witz und seine (zweisprachige) Eloquenz. Chopin ist Partylöwe und Star der Pariser Salons, füllt mit seinem Klavierspiel die Konzertsäle, gibt schmachtenden Frauen Klavierunterricht und wird wie ein Popstar herumgereicht. Als er mitten in einem leidenschaftlichen Kuss plötzlich Blut spucken muss, kündigt sich das Finale seines Lebens an.

Kwieciński erzählt die letzten Jahre des Komponisten in leicht verblassten, in zarten Blau- und Brauntönen ausgestatteten Bildern, die er im natürlichen Licht mit größtmöglichem Realismus auflädt. Ob der zeitweise eingesetzte Elektro-Beat auf der Tonspur unbedingt notwendig gewesen wäre, um ein staubiges Bio-Pic zu vermeiden, lässt sich diskutieren. Aber selbst wenn die Kamera ihren Chopin beim Komponieren allzu temperamentvoll umkreist, hält Eryk Kulm mit ironischem Lächeln jeden Geniekultversuch auf Distanz. Die Krankheit wird zwar zum treibenden Motor seiner Kunst, aber eher aus Zeitgründen, weniger aus traumatisierter Seelennot. Bis zuletzt bleibt der erzählerische Grundton erfrischend lakonisch, und Chopin selbst meint am Ende seines Lebens lapidar mit Blick in die Kamera: „Das war’s.“

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INFO: PL/F/E 2026. 114 Min. Von Michał Kwieciński. Mit Eryk Kulm, Joséphine de La Baume.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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