„Ich bin für die klare Linie“: Künstler Reimo Wukounig verstorben

Kultur

Er gehörte zu den Künstlerfiguren, die nicht gleich allen geläufig waren, aber bei Eingeweihten viel Anerkennung genossen. Jene, die Reimo Wukounig kannten, waren vermutlich auch die, die mit einem Seufzer die Einschätzung äußerten, dass es der Künstler wirklich schwer gehabt hatte in seinem Leben und in seiner künstlerischen Karriere. Dass es anders hätte sein können, wenn da nicht viele, viele Hürden gewesen wären. Und dass er es sich und anderen auch nicht leicht gemacht hatte. 

Reimo Wukounig war 1976 als Vertreter Österreichs auf der Venedig-Biennale gewesen – gemeinsam mit Rudolf Hoflehner, Rudolf Kedl und Wolfgang Walkensteiner.  Er zeigte seine „Zöglingsbilder“, meisterlich gezeichnete Ansichten von Bubenkörpern, die in ihrer Darstellung – mit ausradiertem Kopf, isoliert im Raum, zwischen Stäben eingegrenzt – aber eine Entfremdung zum Ausdruck bringen sollten, an der Wukounig ein Leben lang laborierte. 

Seit seinem achten Lebensjahr war Wukounig in der Erzeihungsanstalt Harbach bei Klagenfurt untergebracht. Dort wurde er zu einem der ersten Opfer des Franz Wurst – eines Kinderarztes, der systematisch Kinder sexuell missbrauchte und dies aufgrund seiner Autoritätsposition lange Zeit unangetastet tun konnte.

Die Deutung dessen, was Wukounig widerfahren war, blieb in der Kunstwelt lange Zeit im Vagen – doch die Bilder der Konfrontation mit einem System aus der Position der Machtlosigkeit heraus wissen noch heute zu schockieren. Neben zerrissenen Menschenbildern, in denen auch das Vorbild Francis Bacon eine Rolle spielte, entstand Anfang der 1970er auch eine Serie sogenannter „Krankenhausbilder“, in denen sich ein Menschenkörper kalten, gesichtslosen Apparaten gegenübersieht. Durch die Sammlerfamilie Essl angekauft und später in den Besitz der Albertina übergegangen, wurde ein solches Werk in der Eröffnungsschau der Albertina Modern, „The Beginning“, 2020 wieder gezeigt. 

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Wukounig verarbeitete seine Heim-Eindrücke auch in Objekten – etwa einer Serie von Wischmopps, die er 1983 in der Secession platzierte. Auch Bügelbretter und Leitern wurden von ihm zweckentfremdet zu Skulptur-Objekten umgedeutet – in einer Form, die an Altäre oder Tafelbilder erinnerte. 

Gültige Bilder

Die Hinwendug zu konstanten, überzeitlich gültigen Formen war überhaupt ein Merkmal von Wukounigs späterem Werk: Immer wieder erforschte er etwa die Form des Ovals, das als abstrakte Form existiert, aber mit wenigen Strichen in die Darstellung eines Gesichts oder eines Kopfs kippen kann. Zahllose Bilder Wukounigs erforschten diese Grenze. Anleiten ließ sich der Künstler dabei von seinem großen Vorbild Paul Klee. 

Doch auch in diesen Werkzyklus ragte das biografische Schicksal Wukounigs hinein: Eine schwere Augenverletzung machte den Künstler auf einem Auge blind, was auch dazu führte, dass er im Alltag meist mit dunkler Brille anzutreffen war. In späteren Jahren musste Wukounig außerdem noch den Tod seines Sohns verkraften. Eine große Wohnung, in der der Künstler wunderkammerartig seine Objekte, aber auch Inspirationsquellen gestapelt hatte, musste geräumt werden. 

Sammler mit Wurzeln in seiner Kärntner Heimat – neben der Familie Essl auch der Museumsgründer Herbert Liaunig und dessen Sohn Peter – sowie die Galeristinnen Judith und Carolin Walker waren dem Künstler eine Stütze. 2023 verlieh ihm das Land Kärnten das Große Ehrenzeichen, Landeshauptmann Peter Kaiser (SP) würdigte ihn damals als „Ausnahmeerscheinung der österreichischen Kunst“. Wie Walker dem KURIER mitteilte, lebte Wukounig zuletzt sehr zurückgezogen in Wien. Am Mittwoch …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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