
Museen mögen manchmal mit Blick auf ihren Unterhaltungswert ein etwas angestaubtes Image haben. Das tut diesen Kulturstätten aber tendenziell Unrecht, wenn es nach einer Studie der Universität Wien geht. Der Untersuchung zufolge empfinden Museumsbesucher nämlich im Schnitt überraschend wenig Langeweile. 1.269 Museumsgänger zwischen 18 und 91 Jahren wurden nach dem Museumsbesuch zu ihren Erfahrungen sowie den gesehenen Inhalten per Fragebogen befragt, 72 davon auch interviewt.
Der naheliegende Einwand, es gehe vor allem nur interessiertes Publikum ins Museum, greife zu kurz. Immerhin seien Museen oft Pflichtprogramm, so Studienleiter Thomas Götz im APA-Gespräch. Für bestimmte Besucher wie Touristen „gehört das zum Kulturkanon dazu“, andere würden zum Beispiel die vielleicht wenig begeisterten Lebenspartner zum Mitgehen überreden. Laut der Erhebung bekamen die untersuchten Museen, das Sigmund Freud Museum und das Kunsthistorische Museum Wien (KHM), einen Durchschnittswert von nur 1,74 Langeweile, auf einer Skala von eins bis fünf. Im Vergleich zu anderen Bildungseinrichtungen sei das „niedrig, ganz eindeutig“, so Götz.
Das macht Museen langweilig
Wer ein Museum öde findet, tut es dann so richtig. Bei den Ausreißern sei häufig der Maximalwert 5 bei Langeweile vergeben worden. Das wirke sich auch auf die Erkenntnisse aus. „Wenn man sich im Museum langweilt, dann nimmt man auch weniger an Wissen mit“, resümiert der Bildungspsychologe. Langeweile entstünde, „wenn man unterfordert ist, wenn man überfordert ist, oder wenn einem das Ganze recht unwichtig ist“.
Zu viel oder zu wenig Information könne oft unter- oder überfordern. Weitere Gründe für Langeweile seien unterschiedlich: „Manche haben gesagt, dass zu viele Leute im Museum sind, anderen war es zu heiß.“ Vorerst wurden eben nur Besucherinnen und Besucher des KHM und Sigmund Freud Museums befragt. Jetzt schon sei aber bemerkenswert, dass die Emotionen in beiden „sehr, sehr ähnlich ausgeprägt waren“, trotz der gänzlich unterschiedlichen Konzepte. Nur Traurigkeit sei im Freud Museum höher gewesen, vermutlich aufgrund von NS-Thematiken.
Götz hofft nun auf die Etablierung eines neuen Forschungsfelds im Bereich Museumslangeweile. Etwa könne aufbauend analysiert werden, ob individualisierbare Museumspfade Effekte auf das Langeweileempfinden haben. Für die Publikation in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ wurden die Daten in Wien erhoben, wobei das Projekt mit der University of Essex, der Australian Catholic University und der Ludwig-Maximilians-Universität München entstand.
Der Link zur Studie: https://dx.doi.org/10.1038/s41598-026-74062-w
Source:: Kurier.at – Kultur



