Magenta-Chef: „Gramatneusiedl braucht kein eigenes Rechenzentrum“

Wirtschaft

Seit etwas mehr als einem Jahr leitet Thomas Kicker die Geschäfte der Deutsche-Telekom-Tochter Magenta in Österreich. Mit der heimischen Bürokratie hadert er: Man könne nicht verlangen, mit Zeitlupen-Genehmigungen Highspeed-Internet zu haben, sagt er zum KURIER.

KURIER: Sie waren lange in den USA und in Deutschland. Wo sehen Sie den Digital-Standort Österreich im internationalen Vergleich? 
Thomas Kicker: Es gibt viele Dinge, auf die wir stolz sein können. In der Vergangenheit wurde viel in die digitale Infrastruktur investiert. Davon profitieren wir, insbesondere durch starke Mobilfunknetze. In den letzten Jahren ist es zu einer Verlangsamung gekommen. Wenn es um das Thema digitale Breitbandinfrastruktur geht, also Glasfaser, haben wir starke Versäumnisse.

Woran hakt es? 
Wir müssen mutigere und schnellere Entscheidungen treffen. Die digitale Infrastruktur ist eine Standortfrage. Die beste Lage hilft nichts, wenn sie nicht angebunden ist. Es braucht ein viel stärkeres Umdenken. Wir können nicht verlangen, mit Zeitlupen-Genehmigungen Highspeed-Internet zu haben.

Was braucht es konkret? 
Eine Vereinheitlichung von Genehmigungsverfahren. Wenn wir bauen, haben wir in jedem Bundesland, in jeder Gemeinde andere Verfahren. Wir müssen bis zu sieben unterschiedliche Behörden fragen. Da spreche ich  das Thema Strukturreform an. Das ist ein großer Anspruch. Der Weg der kleinen Schritte wird nicht genug sein, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Sie wollen bis 2030 eine Milliarde Euro in den Ausbau investieren,  staatliche Förderungen nehmen Sie nicht in Anspruch. Warum nicht? 
Förderungen sind kurzfristig attraktiv, aber langfristig eine Gefahr, weil sie Marktgesetze aushebeln. Man hat Mittel zur Verfügung gestellt, um möglichst viel zu bauen. Das war nie nachfrageorientiert, sondern ein großes regionales Konjunkturförderprogramm.

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Ziel der Förderungen ist der flächendeckende Ausbau. 
Ziel müsste es eigentlich sein, schnell und effizient Unternehmen und Haushalte mit Glasfaser zu versorgen und nicht, möglichst viele Kilometer zu graben. 

Entlegene Gebiete zu versorgen, rechnet sich ohne Förderungen  nicht. 
Der beste Weg wäre, den Ausbau günstiger und schneller zu machen, dann kann man nicht nur die Ortsmitte versorgen. Es gibt noch sehr viel Potenzial, sinnvoll und wirtschaftlich auszubauen. Die Schwierigkeit liegt in Extremfällen. Dort sollte man eine nachfrageorientierte Förderung machen. Wo es nachgefragt wird,  sollte man den Ausbau finanzieren und nicht von vornherein nur die Bautätigkeit fördern. 

Sie beklagen Rechtsunsicherheiten wegen der Servicepauschale. Die wurden von den Regulierern genehmigt, jetzt gibt es Klagen. Ist das nicht ein Zeichen, dass der Rechtsstaat funktioniert, wenn sich Bürger gegen Behördenentscheidungen zur Wehr setzen können? 
Das ist ein  Thema, das  für den Standort sehr schädlich ist. Investoren schauen darauf. Es werden zehn Jahre später Umsätze infrage gestellt, die vom Regulierer freigegeben wurden. Das ist ein Skandal.

Die Branche ist  von der Pauschale abgerückt. War es ein Fehler, sie  einzuführen? 
Ich sehe das nicht so. Wir haben ein Service und das wurde damals so bepreist, vom Regulator freigegeben und von  den Kunden bezahlt. Wir sind immer bereit, uns auf Spielregeln zu einigen. Aber ich kann kein Spiel spielen und nachträglich andere Regeln einführen.

Wie hart würden Sie die Rückzahlungen treffen? 
Extrem hart. Was das für den Infrastrukturausbau bedeutet, kann man sich denken. 

Der Wettbewerb im heimischen Mobilfunk hat sich verschärft. Sie verzichten auf eine Diskontmarke. Warum? 
Wir glauben, dass es wichtig ist, ein integriertes Service über eine reine SIM-Karte hinaus anzubieten. …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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