Bau-Experte: „Die beste Mietpreisbremse ist ein florierender Neubau“

Wirtschaft

Die österreichische Bauwirtschaft steckt in der längsten Krise seit Jahrzehnten. So ist die Bauproduktion seit 2020 um zwölf Prozent gesunken. Heuer schrumpft sie das fünfte Jahr in Folge. Andreas Kreutzer, Geschäftsführer des Marktanalysten Branchenradar.com, erwartet für 2027 eine deutliche Verbesserung – zumindest im Best-Case-Szenario, sprich, wenn keine unvorhergesehenen Probleme auftreten. „Wenn alles gut läuft, könnte die Bauwirtschaft 2027 erstmals wieder ein reales Plus verzeichnen“, sagt der Marktforscher. In diesem Szenario steigen die Baugenehmigungen im nächsten Jahr bei allen Gebäudetypen.

Immobilienmarkt noch länger belastet

Der Wohnbau wird 2027 um zwei Prozent wachsen ebenso der Tiefbau. „Wir gehen davon aus, dass die Bauwirtschaft – alles in allem – 2028 die Trendwende schafft“, sagt Kreutzer. Der Immobiliensektor muss deutlich länger warten. Wegen der langen Vorlaufzeiten werden die Wohnungsfertigstellungen erst 2029 oder 2030 wieder steigen. „Die Nachzieheffekte aus den sinkenden Baugenehmigungen der letzten Jahre werden den Immobilienmarkt noch deutlich länger belasten“, warnt Kreutzer.

Entscheidend für die Erholung ist, dass die Baugenehmigungen steigen. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern rechnet der Experte 2027 mit einem Plus von sieben Prozent, bei Mehrfamilienhäusern mit 23 Prozent.

Mehrfamilienhäusern

Das klingt nach Aufschwung, startet aber von historischem Tief. „Der Wert für 2025 bei Mehrfamilienhäusern ist so gering wie seit mehr als 20 Jahren nicht“, erklärt Kreutzer.

Auch beim Nichtwohnbau sieht er ein Plus von sieben Prozent bei der bewilligten Netto-Geschossfläche – allerdings dauert es, bis neue Projekte in die Bauphase kommen.

Baupreise gestiegen

Zwischen 2020 und 2025 verteuerte sich das Bauen um ein Drittel: im Hochbau um 38 Prozent, im Tiefbau um 26 Prozent. Allein zwischen 2021 und 2023 kletterten die Preise jährlich um bis zu 16 Prozent – angeschoben zunächst von Materialengpässen und Lieferkettenproblemen, später von steigenden Personalkosten infolge der Inflation.

  Geldanlage: Wenn Europas Sicherheit zum Investment wird

Das Bittere daran: Die Baupreise stiegen deutlich schneller als die allgemeine Teuerung. Während die Verbraucherpreise seit 2020 um 33 Prozent zulegten, verteuerte sich das Bauen um 41 Prozent. Und parallel zogen auch die Mieten mit: plus 41 Prozent – trotz Mietpreisdeckel.

„Der Deckel hilft ja nur bestehenden Mieten im Bestand, nicht aber bei Neuvermietung“, erklärt Kreutzer. Bei Neuvermietungen würden höhere Mieten verlangt. „Die beste Mietpreisbremse ist ein florierender Neubau. Erhöhtes Angebot drückt automatisch auf die Preise“, sagt der Experte.

Deregulierung notwendig

Damit der Wohnbau wieder in Schwung kommt, müsse die Politik handeln, fordert Kreutzer. Nicht mit mehr Fördergeldern, sondern mit weniger Vorschriften. „Wir haben ein Gold-Plating-Problem bei Normen und technischen Bauvorschriften“, kritisiert der Experte. Bewilligungsverfahren dauerten zwei bis drei Jahre für ein Mehrfamilienhaus mit 25 Wohneinheiten. Der Verfahrensaufwand mache 15 Prozent und mehr der Errichtungskosten aus. „Das ist für manche überhaupt nicht mehr finanzierbar“, sagt Kreutzer. „Ohne Deregulierung wird es mit dem Aufschwung schwierig werden.“

…read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.